Olympia gehört nach Tirol

Beim Barte des Zeus – wissen hier einige wirklich, was sie von sich geben? Die Diskussion über eine mögliche Olympia-Bewerbung von Tirol für das Jahr 2026 spitzt sich zu. Und die zum Teil militant anmutende Gegnerschaft übt sich fleißig im Tatsachenverdrehen und in Panikmache.

Olympia war das Heiligtum des Zeus und Austragungsort der Olympischen Spiele der Antike. Entsprechend sensibel sollte mit der Thematik umgegangen werden. Gerade in Tirol, denn Tirol ist wiederum die Wiege des Wintersports.

Und nirgendwo passen Olympische Winterspiele besser hin als in unser Land!

Die Wege sind kurz, die Sportanlagen vorhanden. Das Angebot, welches Tirol dem IOC legen kann, bedeutet eine Rückkehr zu Spielen im ursprünglichen Sinn und eine Abkehr von der Gigantomanie Marke Sotschi. Keine sündteuren Show-Elemente sollen fortan im Mittelpunkt stehen, sondern wieder die Sportler aus aller Herren Länder mit ihren Leistungen.

Die Antwort, ob sich Tirol für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 bewerben soll, kann nur JA lauten. Kein anderer Event hinterlässt derart prägende Eindrücke wie der Wettkampf unter den fünf Ringen. Ein gewisser Alter erreicht habend denke ich heute noch gerne an 1976 zurück – wie ein Franz Klammer die Straßen der Landeshauptstadt leer fegte und am Patscherkofel schier artistische im knallgelben Anzug und mit Startnummer 15 zum Sieg raste. Da waren wir dann alle Abfahrts-Olympiasieger! Ja, der gelbe Anzug und die 15 – unvergessen für alle Zeiten …

Oder der furiose Zweikampf auf der Bergisel-Schanze, als der Stoiker Karl Schnabl dem damals 17-jährigen Toni Innauer noch Gold vor der Nase wegschnappte, der wiederum danach seinem jugendlichen Alter geschuldet einen veritablen Grant schob. Unvergessene Sport-Historie.

Olympische Winterspiele 1976-innsbruck-Postkarte.jpg

Und ja, ich muss es zugeben: Selbst meine nach wie vor vorhandene Liebe zum Eishockeysport nahm bei Olympia 1976 ihren Ausgang. Auch wenn mich damals als Neunjährigen vor allem die schier wundersamen Masken der Torhüter faszinierten und ich von den Regeln des Spiels noch keine Ahnung hatte.

Olympia kann ein Leben lang prägen. Und der Werbewert eines derartigen Events steht ohnehin außer Streit. Olympia in Tirol, da würde zusammenwachsen, was zusammengehört. Deshalb: Ganz klar JA zur Olympiabewerbung für 2026!

Gastkommentar von Peter Leitner | Freier Journalist
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4000er Hochtour – auf das Rimpfischhorn

Nach unserer 11-stündigen Tour vom Vortag auf das Allalinhorn 4.027m und den Alphubel 4.206m, stand mit dem Rimpfischhorn 4.199m nun das Herzstück unserer Mehrtagestour in den Schweizer Westalpen auf dem Programm. Das Rimpfischhorn erhielt seinen Namen von „rimpfen“ = „rümpfen“, „falten“ da sein Grat mit Zacken bespickt und weitherum erkennbar ist.

von Gerald Kammerlander | Sportdirektor Naturbahnrodeln - ÖRV

Von der Täschhütte 2.701m über den Mellichgletscher auf das Rimpfischhorn 4.199m

Nach einer äußerst kurzen Nacht, in einem übervollen Lager und mit mehreren „Schnarchmonstern“ in der Nachbarschaft, waren wir schon beinahe froh als der Wecker um Punkt 3:15 Uhr klingelte und der Hüttenwirt zum Frühstück bat. Da heute eine sehr lange Tour auf dem Programm stand wollten wir auch keine Zeit vergeuden und beeilten uns beim Frühstück sowie unserer Morgentoilette. Um Punkt 4:00 Uhr marschierten wir auch schon wieder hoch in die Gipfelwelt vom Mischabellkamm. Unser erster Weg des Tages führte uns wiederum zum Einstieg am Alphubelgletscher 3.300m und war ident mit der Abstiegsroute des gestrigen Tages. Am Alphubelgletscher hielten wir uns heute am rechten Rand und stiegen weiter auf, bis wir dann auf ca. 3.450m auch schon die Steinmänner sahen, welche uns den Abstieg auf einen kleinen Pfad durch die Wand auf den Mellichgletscher wiesen. Leider verloren wir hierbei wiederum knappe 100 Höhenmeter, aber dafür tat sich uns, mittlerweile aufgrund des hereinbrechenden Tageslichts, ein sagenhaft schönes Panorama mit Blick auf das Rimpfischhorn auf.

 

Gerald Kammerlander und Thomas Kammerlander am Mellichgletscher

Rimpfischhorn im Morgengrauen

Rimpfischsattel

Der Weg hoch zum Rimpfischsattel ca. 4.000m ist gespickt mit aufregenden Gletscherspalten, Gletscherbrüchen und Eishöhlen. Am Anfang querten wir den Mellichgletscher relativ flach in Richtung Rimpfischsattel wobei wir kaum Höhenmeter machten. Mit einer Linkskurve in Richtung Nordgrat, bei der eine große Spaltenzone umgangen wird, änderte sich dies jedoch schlagartig und der Aufstieg zum Rimpfischsattel wurde zunehmend steiler.

Gerhard Mühlbacher vor Gletscherbruch beim Aufstieg zum Rimpfischhorn

Gerhard Mühlbacher beim Aufstieg zum Rimpfischsattel.

Hinzu kommt natürlich, dass dies alles auf einer Höhe von ca. 4.000m geschieht und die Schritte schon allein dadurch etwas schwerer vonstattengehen. Trotzdem behielten wir unser eingeschlagenes Tempo bei und versuchten den Sattel so zügig als möglich zu erreichen. Am letzen Drittel des Aufstiegs quert der Weg den Westhang direkt unterhalb des Gipfels und zieht nochmals steil hoch auf den Rimpfischsattel. Auch hierbei mussten wir am Ende eine größere Spaltenzone durchqueren. Am Sattel angekommen weht uns erstmals ein eisiger Wind um die Ohren.

Rimpfischhorn-Aufstieg-Rimpfischsattel

Gerald und Thomas Kammerlander am Rimpfischsattel.

Rimpfischsattel-4000m-Panorama

Luftige Kletterei und 50 ° steile Couloir

Wir hielten uns aufgrund der arktischen Temperaturen nicht lange am Rimpfischsattel auf und machten uns rasch an die letzten 200 Höhenmeter im Aufstieg. Zuerst galt es das (bei uns auch ziemlich eisige) ca. 50° steile Couloir hinter uns zu bringen.

steile Couloir am Rimpfischhorn.

In etwa bei der Mitte der Rinne querten wir dann nach links auf den Felsen und durchstiegen einen weiteren Felsaufbau der uns dann in eine Scharte auf den Westgrat führte. Von hier kletterte man im II. Schwierigkeitsgrad immer am Grat entlang. Vor allem die Schlüsselstelle, eine ca. 10 Meter lange Platte ist dabei extrem ausgesetzt und lässt einem schon das Adrenalin durch die Adern fließen.

Westgrat-Normalweg-Rimpfischhorn

Westgrat-Normalweg-Rimpfischhorn

Gerhard Mühlbacher-Westgrat-Rimpfischhorn

Thomas Kammerlander-Sölden-beim Aufstieg zum Rimpfischhorn.

Vorgipfel-Rimpfischhorn

Am Gipfel angekommen

Nach ca. 30 Minuten kurzweiliger Gratkletterei erreichten wir dann den westlichen Vorgipfel. Nun galt es nur noch einen kurzen, äußerst luftigen Firngrat rüber zum Rimpfischhorn zu überwinden. Nach exakt 5 Stunden Aufstieg erreichten wir dann endlich unser Tagesziel und verschanzten uns auch gleich auf der windstilleren Ostseite des schmalen Gipfels.

„Der Gipfel bietet kaum Platz für 5 Bergsteiger“

Immer noch herrschte eisiger Wind. Die atemberaubend schöne Aussicht entschädigte jedoch alle Strapazen und ließ auch den arktischen Wind vergessen.

Thomas Kammerlander-Rimpfischhorn-Gerhard Mühlbacher

Gerald Kammerlander-Rimpfischhorn-Rodel Austria

Thomas Kammmerlander-Gerhard Mühlbacher am Rimpfischhorn

Wie schon am Vortag waren wir auch heute die ersten Bergsteiger am Gipfel. Zwei weitere Seilschaften haben wir überholt. Deshalb haben wir uns auch rasch dazu entschlossen am Gipfel Platz für sie zu machen und abzusteigen. Wir sind ihnen dann auch bald beim Abstieg am Grat begegnet. Dies führte zwangsläufig zu einem kleinen Stau.

Stau beim Abstieg vom Rimpfischhorn

Abstieg zum Rimpfischsattel-Rimpfischhorn

Über den Allalinpass auf die Britanniahütte und weiter zur Felskinn-Bergstation

Bis auf die kleine Staubildung im oberen Drittel des Westgrates schritt der Abstieg relativ zügig voran. Den Rimpfischsattel hatten wir auch schnell erreicht. Nun waren die technischen Schwierigkeiten alle gemeistert und uns stand „nur“ noch ein elendslanger „Gletscherhatscher“ bis zur Britanniahütte bevor. Bis zu einer Höhe von ca. 3.700m folgten wir denselben Weg wie beim Aufstieg. Dann wendeten wir uns in Richtung Allalinpass, verließen den Mellichgletscher und betraten den Allalingletscher. Am aperen Allalingletscher war es zeitweise ziemlich schwierig einen Durchgang im Labyrinth der Gletscherspalten zu finden.

Gletscherspalten-Allalingletscher

Gerald Kammerlander am Allalingletscher

Der Abstieg zur Britanniahütte zog sich furchtbar in die Länge. Mittlerweile machten wir uns echt schon Sorgen, ob wir die letzte Bahnfahrt von der Felskinn-Bergstation um 16:00 Uhr überhaupt noch erreichen würden. Als wir dann endlich gegen 14:00 Uhr den Ausstieg vom Allalingletscher erreicht hatten, nahmen wir sprichwörtlich die Beine unter die Arme. Gegen Ende hin war es schon mehr ein Laufen als ein Gehen. Um Punkt 15:45 Uhr erreichten wir dann hundemüde die Bergstation und waren glücklich uns erstmals ruhig hinsetzen zu dürfen.


 

Infos zur Tour:

  • 1.845 Hm Aufstieg
  • 1.551 Hm Abstieg
  • 18,2 km Streckenlänge
  • 11,5 Stunden Dauer
  • Route: Täschhütte 2.701m – Rimpfischhorn – Allalinpass – Britanniahütte 3.030m – Felskinn Bergstation

3D-Flug mit unserer Route

Rodel Austria Naturbahn-Route Rimpfischhorn

 


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4000er Hochtour – auf das Allalinhorn und den Alphubel

Eigentlich sollte unsere diesjährige Rodel Austria-Naturbahnrodel – 4000er Hochtour ja auf den Mt. Blanc führen, aber irgendwie hat es diesen Sommer einfach nicht mit dem höchsten Berg der Alpen geklappt. Einmal passten die Bedingungen nicht, dann wieder Schwierigkeiten mit dem Termin und schon war der Sommer um. Also entschieden wir (Thomas Kammerlander, Gerhard Mühlbacher und Gerald Kammerlander) uns kurzerhand für den Mischabellkamm in den Walliser Alpen. Nachdem wir bereits im letzten Jahr mit dem Dom 4.545m sozusagen die Kathedrale dieser Gebirgsgruppe erklommen haben, war uns dieses Gebiet schon einigermaßen gut bekannt. Der Mischabellkamm erstreckt sich zwischen dem Saas- und dem Mattertal und bietet bergsteigerisch alles was das Herz begehrt. Wir wollten uns dieses mal der Allalingruppe, dem südlichsten Teil des Mischabellkamms widmen. Diese Gruppe umfasst 4 Viertausender. Die Ziele unserer Dreitagestour waren das Allalinhorn 4.027m, der Alphubel 4.206m und das Rimpfischhorn 4.199m.

von Gerald Kammerlander | Sportdirektor Naturbahnrodeln - ÖRV

Von der Britanniahütte über den Holaubgrat auf das Allalinhorn 4.027m

Unsere Anreise und der Zustieg zur Britanniahütte 3.030m erfolgte am Vortag. Nachdem wir unsere achtstündige Anreise nach Saas-Fee gut hinter uns bringen konnten, war der darauffolgende Zustieg zur Britanniahütte aufgrund der Aufstiegshilfe durch die Bahn eigentlich nur noch ein netter, rund einstündiger Spaziergang über blockiges Gelände.

Die Britanniahütte im Sommer 2017. Im Hintergrund das Allalinhorn und das Strahlhorn.

Die Nacht war kurz denn der Hüttenwirt bat bereits um 3:30 Uhr zum Frühstück. Also wurden noch schnell die Kalorienreserven etwas aufgefettet, die Ausrüstung angelegt und um ca. 4:30 Uhr starteten wir in einer sternenklaren Nacht, mit Stirnlampen bewaffnet runter in Richtung Hohlaubgletscher. Zuerst mussten wir ca. 100Hm zum Gletschereinstieg absteigen. Wir waren die erste Seilschaft die unterwegs war. Zum Glück hatten wir uns die Route über den Gletscher am Vortag noch bestens eingeprägt denn das Sichtfeld der Stirnlampen ist etwas begrenzt. Der Hohlaubgletscher ist äußerst spaltenreich und eine Spur war auf dem plankem Eis keine auszumachen. Wir haben uns dazu entschieden den Hohlaubgletscher kurz oberhalb der ersten großen Spaltenzone zu queren und etwas früher als normal üblich durch eine kleine Eisrinne auf den Hohlaubgrat bei etwa 3.150m einzusteigen. Dies stellte keine größeren Probleme dar und wir haben unser erstes kleines Etappenziel, den Hohlaubgrat rasch erreicht. Mittlerweile dämmerte es bereits und wir mussten erkennen dass vom Norden schlechtes Wetter im Anmarsch war. Eigentlich war die Wetterprognose für den heutigen Tag hervorragend. In südlicher Richtung war des Wetter noch einigermaßen gut und somit konnten wir noch etwas den Sonnenaufgang genießen.

Am Hohlaubgrat geht die Sonne auf.

Auf etwa 3.550m waren wir dann endlich am Firngrat angekommen. Allerdings erreichte uns auch zeitgleich der Schneefall, welcher aus Norden herangezogen war. Dem Schneefall begleiteten böiger Wind und satte Minusgrade.

„Zu diesem Zeitpunkt hätte es wohl gemütlichere Orte als den Hohlaubgrat, kurz unterhalb des Gipfels gegeben“

Die Sichtweite beschränkte sich mittlerweile auf knappe 10 Meter. Zum Glück waren gute Trittspuren vorhanden und aufgrund der Höhenmeteranzeige unserer Uhren konnten wir gut abschätzen dass wir bald die steile Felsstufe kurz unterhalb des Gipfels erreichen würden.

Die in etwa 30 Meter hohe Felsstufe befindet sich auf ca. 3.960m und wird im II. Schwierigkeitsgrad erklettert. Einzig der Schneefall und leicht fröstelnde Hände erschwerten uns hierbei die Kletterei. Oben angekommen trennte uns nur noch ein kurzer Firngrat von unserem ersten 4000er des Tages – dem Allalinhorn. Um 7:45 Uhr standen wir auf dem Gipfel. Aufgrund des unwirklichen Wetters verweilten wir nicht besonders lang am Gipfel. Allerdings konnten wir bereits etwas weiter im Westen, über dem Mt. Blanc Massiv, den im Wetterbericht versprochenen Sonnenschein ausmachen.

Thomas Kammerlander und Gerhard Mühlbacher am Allalinhorn 4.027m

Rodel Austria-Sportdirektor Naturbahnrodeln-Gerald Kammerlander am Allalinhorn

Über den Feechopf auf den Alphubel 4.206m

Immer noch konnten wir keine anderen Bergsteiger ausmachen. Es ist schon eher eine Seltenheit allein am Allalinhorn zu stehen. Kurzerhand machten wir uns an den Abstieg über den Normalweg in Richtung Feejoch und Feechopfgrat. Für die ca. 200hm Abstieg benötigten wir nur knappe 20 Minuten. Am Feejoch verließen wir wiederum den Normalweg, welcher in Richtung Bergstation Mittelallalin nach Nordosten weiterzieht und stiegen auf den Feechopfgrat auf.  Der Weg über den Feechopfgrat in Richtung Alphubel ist eine wahre Genusskletterei, welche den II. Schwierigkeitsgrad nie überschreitet. Allerdings sollte man schwindelfrei sein, denn ab und zu wird´s auf dem Grat ganz schön „luftig“. Angekommen am Feechopf 3.888m erreichten uns die ersten Sonnenstrahlen und wir konnten beobachten wie sich eine Karawane von Menschen über den Normalweg hoch auf das Allalinhorn schlängelte.

Das Allalinhorn-gesehen vom FeechopfEin Panoramabild vom Allalinhorn vom Feechopf gesehen.Thomas Kammerlander am Feechopf, unterhalb der Mellichgletscher

Aufgrund der warme Sonnenstrahlen, sowie der Gewissheit bereits die Hälfte der Tagesetappe hinter uns gebracht zu haben entschieden wir uns hier eine erste längere Rast zu machen. Das Panorama ist sagenhaft schön und die Jause schmeckt auf knapp 4.000 Meter gleich doppelt gut. Von hier aus konnten wir auch unsere morgige Etappe – auf das Rimpfischhorn bestens einsehen. Der Weiterweg brachte uns zunächst über Firnfelder leicht abfallend auf das Alhubeljoch 3.772m.

Am Alphubeljoch 3.772m angekommen.Gerald Kammerlander am Alphubeljoch.

Hier führt der Normalweg zunächst nordwärts und unterhalb des Gipfelaufbaus vorbei. Wir entschieden uns jedoch für den direkteren, und interessanteren Weg über den Süd-Ost-Grat mit seiner ca. 45° steilen Eisnase. Auf knapp 4.050m erreichten wir schließlich die Eisnase. Aufgrund der späten Jahreszeit und des fehlenden Schneefalls der letzten Wochen, machte die Eisnase ihren Namen alle Ehre.

„Die Eisnase machte ihren Namen alle Ehre“

Bestens ausgerüstet, sowie genügend Erfahrung im Umgang mit Steigeisen und Pickel bereitete uns die Eisflanke keine allzu großen Probleme. Der Aufstieg über die Eisnase war auf jeden Fall deutlich kurzweiliger als der lange „Gletscherhatscher“ um den Berg herum.

Aufstieg über die Eisnase auf den Alphubel. Süd-Ost-Grat

Nach gut 30 Minuten steilem Steigeiseneinsatz kamen wir auf das weitläufige Gipfelplateau vom Alphubel. Nun noch ein paar letzte Meter im unschwierigen Gelände, bevor wir dann bei 4.206 Metern den höchsten Punkt des Tages und somit den Gipfel des Alphubel erreichen konnten. Mittlerweile war es bereits 12:00 Uhr, beinahe windstill und es herrschten in Anbetracht der großen Höhe außergewöhnlich warme Temperaturen. Also hatten wir genügend Zeit uns nochmals zu stärken und die grandiose Aussicht auf alle bekannten Viertausender der Region zu genießen. Unsere Blicke schweiften ins Monte Rosa, zum Matterhorn und natürlich zum Dom. Dieser thronte, steil aufsteigend und bedrohlich nah nochmals 350 Höhemmeter über uns.

Thomas Kammerlander und Gerald Kammerlander am Alphubel 4.206m

Unser letztes Etappenziel für heute – die Täschhütte 2.701m

Für den Abstieg vom Alphubel zur Einsattelung des Alphubeljochs wählten wir den Normalweg über den Osthang. Somit hatten wir eine schöne Runde. Schnell verloren wir wiederum 300hm bevor wir dann die Ostseite des Alphubels zügig, direkt unterhalb einer großen Seraczone querten. Mittlerweile knallte die Sonne ziemlich erbarmungslos auf den Feegletscher und die Schritte wurden im aufgeweichten Schnee deutlich schwerer. Wir waren froh dass wir bald wieder das Alphubeljoch erreichen konnten und am Alpubelgletscher wieder weniger mühsamere Bedingungen vorherrschten.

Abstieg über den Normalweg vom Alphubel.

Der Abstieg vom Alphubeljoch zur Täschhütte schreitete am aperen Alphubelgletscher zügig voran. Es mussten zwar noch mehrere Gletscherspalten überquert werden, aber die Wegfindung stellte kein großes Problem dar. Schlussendlich konnten wir dann auf 3.300m unsere Steigeisen und Gletscherausrüstungen in den Rucksäcken verstauen. Wenn man bedenkt, dass wir mittlerweile seit über 10 Stunden mit Steigeisen und Pickel unterwegs waren, kann man sich gut vorstellen, dass wir froh waren die letzten 600hm wandernd zur Täschhütte zurückzulegen.

Die Gletscherausrüstung wird am Fuße des Alphubelgletschers wieder im Rucksack verstaut.

Thomas Kammerlander und Gerhard Mühlbacher kurz unterhalb des Alphubelgletschers

Die letzte Stunde Abstieg zur Täschhütte gestaltete sich äußerst abwechslungsreich. Beginnend in Schutt- und Felsgelände, vorbei an einem schön gelegenen See schlängelt sich der Weg immer weiter talab- und auswärts. Schön langsam kamen wir dabei in immer freundlicher wirkendes Gelände bevor wir dann schlussendlich die Täschhütte auf 2.701m erreichten. Hier wurden dann noch die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse mit einem kleinen Bier genossen und bereits die Route für den morgigen Tag besprochen.

Täschhütte-Schweiz

Täschhütte-Rodel Austria Naturbahnrodeln


Infos zur Tour:

  • 1635 Hm Aufstieg
  • 1960 Hm Abstieg
  • 13,8 km Streckenlänge
  • 11 Stunden Dauer
  • Route: Britanniahütte 3.030m – Allalinhorn 4.027m über Hohlaubgrat – Feechopf 3.888m – Alphubel 4.206m über Eisnase – Abstieg zur Täschhütte 2.701m

3D-Flug mit Route unserer Tour

unsere Route auf das Allalinhorn und den Alphubel


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Schneeberg – am höchsten Gipfel von Niederösterreich

Vergangenen Freitag machten sich ein Freund und ich auf den Weg zum höchsten Berg Niederösterreichs. Der Schneeberg ist der östlichste sowie nördlichste Zweitausender der Alpen und ragt 2076m in die Höhe. Er gehört zur Rax-Schneeberg-Gruppe und zählt zu den Wiener Hausbergen.

von Bernd Neurauter|Rodel Austria Naturbahn-Athlet

 

Auf den Schneeberg – den östlichsten 2000er der Alpen

Diesmal machten wir uns nicht mit dem Rad zum Gipfelsturm bereit, sondern fuhren bereits früh morgens mit dem Auto Richtung Schneebergdörfl. Wie schon bei meinen letzten Gipfeltouren ging es über den Semmering in Richtung Neunkirchen. Anschließend fuhren wir durch Puchberg am Schneeberg und schließlich nach Schneebergdörfl wo wir das Auto beim Schwabenhof geparkt haben (rund 750m).

Am Fuße des Schneebergs in Niederösterreich. Schneebergdörfl
am Schwabenhof in Schneebergdörfl

Bereits von dort hatten wir einen super Ausblick auf das Bergmassiv. Es ging mit einer lockeren Wanderung bei gleichmäßiger Steigung im Wald in Richtung Bürklehütte wo wir ca. 45 Minuten Fußmarsch hatten. Nach weiteren 25 Minuten kamen wir endlich zum Aufstieg über den Nandlgrat (schwarze Markierung).

 

Dieser Anstieg ist nur für geübte Wanderer, wenn nicht sogar Bergsteiger geeignet, da teilweise leicht geklettert werden muss. Da wir beide schwindelfrei sind und eine Herausforderung suchten beschlossen wir den direkt möglichsten Weg zu nehmen. Beim Grat angekommen ging es gleich einmal auf allen Vieren los. Bereits von dort aus hatten wir einen super Ausblick in Richtung Burgenland.

„Der Anstieg über den Nandlgrat ist nur für geübte Wanderer geeignet“ (Bernd Neurauter)

am Nandlgrat auf dem Schneeberg bot sich uns eine tolle Aussicht in Richtung Burgenland

Immer wieder wurde loses Gestein losgetreten, somit war es wichtig höchste Vorsicht walten zu lassen und wir vergrößerten den Abstand zueinander. Zwischendurch mussten wir uns auch durch ein Latschenfeld kämpfen. Die erste größere Pause legten wir nach rund 1,5 Stunden ein um uns wieder zu stärken und den Wasserhaushalt des Körpers aufzufüllen. Aufgrund des traumhaften Wetters konnte man gar nicht zu viel trinken.

 

 

Am Hochplateau vom Schneeberg angekommen

Nach ca. 2h 15min kamen wir am Hochplateau des Schneeberges an. Es war ein traumhafter Ausblick und es herrschte Totenstille. Wir konnten es gar nicht glauben, da ja eine Zahnradbahn und ein Lift auf den Gipfel führt. Jedoch fehlte uns das Gipfelkreuz.

am Gipfelplateau des Schneebergs angekommen. Rodel Austria Naturbahnrodeln

Somit mussten wir noch die letzten 200hm über den letzten Anstieg meistern. Gleich hinter der letzten Erhebung befand sich die Fischerhütte und der Wanderweg zum Gipfelkreuz. Von diesem Moment an sahen wir eine Vielzahl an Menschen die sich am Gipfelkreuz tummelten. Natürlich durfte ein Gipfelselfie (2076m ü. A.) als Beweisfoto nicht fehlen.

 

Panoramafoto am Gipfel vom Schneeberg. Am höchsten Punkt von Niederösterreich
Panorama vom Gipfel des Schneebergs

Auf den Spuren von Kaiser Franz Josef I

Im Anschluss daran besuchten wir die Fischerhütte um uns zu stärken. Mit Spaghetti und alkoholfreiem Weißbier (Stiegl Sport) füllten wir unsere Krafttanks wieder auf. Der wohl bekannteste Bezwinger des Schneeberges ist Kaiser Franz I. Für ihn wurde ein eigener Gedenksteig (Kaiserstein) aufgestellt.

Beim Abstieg orientierten wir uns an den grünen Wegmarkierungen. Diese führten uns über den Felsrücken des Schauersteines im freien Gelände und anschließend durch Latschengassen bis zum Fleischer-Gedenkstein.

Der Abstieg erfolgt über den Fadenweg. Rodel Austria Naturbahnrodeln
am Fadenweg

Über den Fadenweg und den Wald kamen wir anschließend zur Edelweißhütte wo wir ein letztes Mal einkehrten. Anschließend ging es die Schipiste abwärts und über den nördlichen Grafensteig zurück zum Ausgangspunkt. Alles in allem ein richtig geiler Anstieg, welcher nur für geübte Bergfreunde geeignet ist. Der Abstieg war eher langwierig und nicht angenehm zu gehen. Jedoch wird einem durch die Zahnradbahn oder den Sessellift einiges an Höhenmeter abgenommen, wenn man doch noch zum Gipfelkreuz will. Alles in allem war unsere Route 18km lang und mit über 1500hm eine herausfordernde Bergtour für die wir eine reine Gehzeit von nicht ganz 5 Stunden benötigten.

Bernd Neurauters Route auf den Schneeberg-Rodel Austria Naturbahnrodeln
Bernd´s Route auf den Schneeberg

Tourdaten im Überblick:

  • Ausgangspunkt: Schneebergdörfl-Schwabenhof (774m)
  • Endpunkt: Schneeberg-Kaiserstein-Fischerhütte
  • zu bewältigende Höhenmeter: 1.250m
  • unsere Route: Schneebergdörfl-Bürkle Rettungshütte-Nandlgrat-Schneeberg-Fischerhütte-Fadenweg-Schneebergdörfl

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Großglockner 3.798m – am höchsten Berg von Österreich

Wer an Österreich denkt, dem wird neben dem Stephansdom und der Mozartkugel sofort unser höchster Berg der Großglockner einfallen. Rodel-Star Florian Glatzl hat sich bereit erklärt für uns diesen imposanten Gipfel erneut zu besteigen. Mit der Besteigung des Großglockners haben wir für unsere Blogreihe 9 Länder-9 Gipfel, den wohl bedeutendsten Berg dieser Aktion bestiegen.

von Florian Glatzl - Rodel Austria Naturbahn, Kaderathlet

Da im Spätfrühling die Schneeverhältnisse für eine Großglockner-Besteigung mit Skiern nicht mehr gegeben waren, habe ich mich entschieden ihn im Sommer in Angriff zu nehmen. Die Idee für diese Tour war ein Vatertagsgeschenk für meinen ebenso bergbegeisterten Vater.

Eine Eingewöhnungstour auf den Hocheiser 3.206m

Damit sich die Reise in die Osttiroler Berge auszahlte, fuhren wir am Sonntag den 30. Juli 2017 bereits in den frühen Morgenstunden (03:30 Uhr) nach Kaprun ins Salzburgerland. Von dort aus gingen wir den großen Grieskogel 3.066m und den Hocheiser mit 3.206m als Eingewöhnungstour für den Großglockner. Dabei gab ich Papa noch ein paar Ratschläge für das richtige Verhalten am Gletscher und den dazugehörigen Bergungsmaßnahmen. Nach diesem Bergerlebnis fuhren wir am Abend nach Kals am Großglockner wo wir uns eine Unterkunft suchten.

Der Hocheiser 3.206m im Salzburgerland. Rodel Austria Naturbahnstar Florian Glatzl besteigt diesen Gipfel als Eingewöhnungstour für den Großglockner
Abbildung: rechts sieht man den Hocheiser 3.206m, das Foto wurde vom großen Grieskogel aufgenommen ( links hinten in Wolken gehüllt der Großglockner)

Bei einem vorzüglichen Essen ließen wir den Abend noch gemütlich ausklingen und rüsteten uns für den Aufstieg zum Großglockner am nächsten Tag. Nach einem ausgedehnten Schlaf und einem stärkendem Frühstück fuhren wir am Montag zum Parkplatz vom Lucknerhaus von wo aus wir unsere Tour starteten.

Das Auto wurde am Parkplatz Lucknerhaus abgestellt. Von hier aus nahm Rodel-Star Florian Glatzl die Tour zum Großglockner in Angriff

Mit schweren Gepäck machten wir uns auf den Weg in Richtung Lucknerhütte, wo wir kurz danach auf den alten Mürztalersteig abzweigten. Um den Menschenmassen auszuweichen entschloss ich mich für diesen Weg. Diese Route hatte außerdem den Vorteil, der stechenden Hitze zu entkommen. Nach einiger Zeit erreichten wir die Gletscherzunge, wo wir unsere Gletscherausrüstung anzogen und eine kleine Pause zur Stärkung einlegten.

Beim Gletschereinstieg zum Großglockner
Abbildung: Rodel Austria Naturbahnrodeln-Star Florian Glatzl beim Gletschereinstieg am Ködnitzkees zum Großglockner

Frisch gestärkt gingen wir über den Ködnitzkees-Gletscher der uns nahezu alleine gehörte. Nach einiger Zeit nahm die ruhige Idylle wieder ein Ende als wir auf den Normalweg mit den vielen Bergtouristen stießen. Das Seil wieder im Rucksack verstaut ging es dem Klettersteig entlang in Richtung Adlersruhe. Nach kurzer Zeit erreichten wir diese und stärkten uns bei einem Mittagessen mit grandiosem Ausblick von Österreichs höchstgelegener Schutzhütte der Erzherzog-Johann-Hütte (Adlersruhe) auf 3.454m.

auf der Erzherzog-Johann-Hütte-Adlersruhe-die höchstgelegene Schutzhütte von Österreich
Abbildung: Adlersruhe-die höchstgelegene Schutzhütte von Österreich

Nach einem ruhigen Nachmittag auf der höchsten Hütte von Österreich erfolgte um 16:00 Uhr der Gipfelanstieg

Nach einem gemütlichen Nachmittag fingen wir gegen 16:00 Uhr dem Gipfel entgegen. Durch die hohen Temperaturen glich der Gletscher hinter der Hütte in Richtung Glocknerleitl mehr einem „Matschhaufen“ als einem Gletscher. Mit durchnässten Schuhen erreichten wir schließlich das „Sattele“, wo es dann in einfacher Kletterei hoch zum Kleinglockner ging.

der Großglockner vom Kleinglockner aus fotografiert
Abbildung: der Großglockner vom Kleinglockner aus gesehen. (gleich geschafft)
die Glocknerscharte liegt zwischen Kleinglockner und Großglockner
Abbildung: Glocknerscharte zwischen Klein- und Großglockner

Am höchsten Punkt von Österreich angekommen

Mein Plan, dass am späten Nachmittag weniger Leute am Gipfel stehen würden, ging leider nicht auf. So dauerte es ziehmlich lange bis wir endlich den Gipfel erreichten. Oben angekommen war es aber trotz der Menschenmenge atemberaubend schön. Jetzt konnte ich meinem Papa endlich auch den Traum der Glocknerbesteigung erfüllen. Er erfüllte mir ja auch meinen Traum vom Rodeln.

am Großglockner angekommen. Florian Glatzl - Rodel Star aus Österreich ist am höchsten Großglockner
Abbildung: Vatertagsgeschenk eingelöst. Ein tolles Gefühl meinen Papa auf den Großglockner geführt zu haben.

Florian Glatzl. Österreichischer Top-Naturbahnrodel-Star auf dem Großglockner. Am höchsten Gipfel von Österreich

„die Menschenmassen muss man am Großglockner einfach ausblenden“

Am Gipfel genossen wir ca. eine halbe Stunde den wunderschönen Ausblick und die Athmosphäre bevor wir wieder zur Hütte abstiegen. Pünktlich zum Abendessen waren wir zurück und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Am nächsten Tag genossen wir noch den herrlichen Sonnenaufgang bevor wir Frühstückten. Nachher packten wir unsere Sachen und brachen wieder auf ins Tal. Hinunter gingen wir diesmal den Normalweg über die Stüdlhütte (2.801m) somit schloss sich unsere Runde bei der Lucknerhütte wieder.

ein letzter Blick zurück zum Großglockner
Abbildung: Blick zurück zum Großglockner

auf der Stüdlhütte angekommen

Es war eine wunderschöne Tour mit herrlichem Wetter. Die Menschenmassen muss man bei einer Tour auf den Großglockner immer ausblenden und hinnehmen.

Tourdaten im Überblick:

  • Ausgangspunkt: Parkplatz Lucknerhaus (1.924m)
  • Endpunkt: Großglockner (3.798m)
  • zu bewältigende Höhenmeter: 1874m
  • unsere Route: Lucknerhaus-Lucknerhütte-Mürztalersteig-Erzherzog-Johann-Hütte-Großglockner-Abstieg über die Stüdlhütte zum Lucknerhaus
  • die Tour wurde als Zweitagestour von Florian Glatzl unternommen

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von Michael Scheikl - Rodel Austria Naturbahn-Athlet

Der Hermannskogel – ein Berg in Wien?

Der Hermannskogel ist im nördlichen Wienerwald mit 542 Metern der Hauptgipfel des Kahlengebirges und der höchste Berg Wiens. Am Gipfel befindet sich die Habsburgerwarte, welche Ende des 19. Jahrhunderts als Koordinatenursprung zur Landesvermessung von Österreich-Ungarn gewählt wurde.

Die Habsburgerwarte am Hermannskogel in Wien. 9 Länder-9 Gipfel Radtour des Österreichischen Naturbahnrodel-Teams zum höchsten Punkt von Wien.
Die Habsburgerwarte in Wien

In unserer Serie ist der Hermannskogel der niedrigste Berg den wir zu erklimmen haben. In allen Vorgesprächen mit Freunden, Kollegen oder Familie wurde gelacht als wir vom höchsten Berg Wiens sprachen. Doch je detaillierter wir berichteten, wie wir diese Erhöhung bezwingen wollen, überwiegte das Staunen.

„es wurde gelacht als wir vom höchsten Berg Wiens sprachen“

Wie schon der Geschriebenstein, sollte der Hermannskogel mit dem Rennrad erklommen werden. Die Route führte von Kindberg über den Semmering-Wiener Neustadt nach Wien. Dann weiter zum Hermannskogel, von dort nach Neusiedl am See bis zu unserem Endziel nach Andau, östlich des Neusiedlersees. Es lagen also 240km und 1800hm vor uns. Die einzige Unsicherheit, der Weg von der Hochstraße auf den Höchsten Punkt des Hermannskogels is nicht mit dem Rad befahrbar.

Unsere Radroute von Kindberg nach Wien zum Hermannskogel

Start: 5:00 Uhr – der frühe Vogel fängt den Wurm

Rodelstars am Semmering auf dem Weg nach Wien.

Der erste Weg führt uns durch das Mürztal auf den Semmering. Quasi unsere Hausstrecke die wir mittlerweile auswendig kennen. Weiter nach Gloggnitz, Neunkirchen, Wiener Neustadt, Guntramsdorf bis nach Wien. Dort, nach 120 km, gönnten wir uns die erste Pause mit einer kleinen Stärkung. Danach ging es weiter durch die Stadt mit vielen Abzweigungen zur Hochstraße. Nach wenigen Höhenmetern kamen wir am höchstmöglich-, mit dem Rennrad, befahrbaren Punkt an.

Von hier an lagen noch ca. 150 hm vor uns bevor wir am Hermannskogel waren. Das einzig schwierige daran, wir hatten keine Straße mehr. Somit war uns klar, am letzten Stück galt das Motto „Wer sein Fahrrad pflegt, der trägt“.

Bernd Neurauter und Michael Scheikl tragen ihr Rad hoch zum Hermannskogel
Bernd Neurauter und Michael Scheikl mussten die letzten Meter hoch zum Hermannskogel zu Fuß bewältigen

Mit dem Rad auf den Schultern stapften wir den kürzesten Weg in Richtung Gipfel. Es dauerte nicht lange bis wir den Tags zuvor gefallenen Regen merkten. Ein aufgeweichter Waldboden und stickig, warme Luft um die 27°C verlangten uns einiges ab. Im Nachhinein betrachtet, war die „Wanderung“ mit dem Rad in der Hand kräfteraubender, als die Tour mit dem Rad unter dem Hintern.

Die harte Arbeit macht sich bezahlt. Atemberaubende Aussicht auf unsere Bundeshauptstadt

Endlich am Hermannskogel angekommen machte sich erstmals Erleichterung in uns breit. Doch wir hielten uns nicht lange am höchsten Punkt Wiens auf. So schulterten wir unser Rad erneut und nahmen den Weg zur Höhenstraße nach unten wieder auf uns.

Endlich wieder in gewohnter Position auf dem Rennrad fuhren wir weiter Richtung Burgenland. Nach einer letzten Pause in Wien verließen wir die Stadt und fuhren mit Rückenwind weiter. Wir waren uns sofort einig, dass ein Rennrad-Besuch in der Hauptstadt zu Trainingszwecken nicht gerade förderlich ist. Autos, Busse, Ampeln, und Straßenbahnschienen gestalteten sich als sehr unangenehme Begleiter.

Der weitere Weg führte uns über Bruck an der Leitha, Neusiedl am See bis nach Andau. Die Rodel Austria Naturbahnrodel-Stars beim Kinderradlager der Naturfreunde in AndauBeine waren müde und die Temperaturen drückten uns den Schweiß auf die Stirn. Doch mit dem Wind auf unserer Seite konnten wir die letzten 80km noch gut bewältigen und erreichten nach 7h55min reiner Fahrzeit unser Ziel in Andau. Eine tolle Tour. Wie man sieht kann man eine Tour zum höchsten Berg von Wien durchaus auch anstrengend gestalten ;-). Es müssen nicht immer nur die ganz hohen Gipfel sein!

 


Track von der Route Kindberg-Hermannskogel-Andau

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Die Wildspitze 3.770 m – am Dach von Nordtirol

Die Wildspitze ist mit einer Höhe von 3.770 Metern der zweithöchste Gipfel Österreichs. Wohl auch deshalb zieht es Jahr für Jahr tausende Alpinisten auf diesen Gipfel. Die Wildspitze hat aber auch einiges zu bieten. Für mich ist sie einfach nur ein wunderschöner Berg auf dem die Aussicht grandios und an klaren Tagen praktisch nur von der Erdkrümmung begrenzt wird. Die Wildspitze gehört zu meinem jährlichen Pflichtprogramm und deshalb nahm ich die Gelegenheit gerne wahr, die Wildspitze im Rahmen der Rodel Austria-Naturbahn Aktion 9 Länder – 9 Gipfel mit meinem Bruder Thomas Kammerlander (amtierender Europameister und Gesamtweltcupsieger im Rennrodeln auf Naturbahn) ein weiteres mal zu besteigen.

von Gerald Kammerlander | Sportdirektor-Rodel Austria Naturbahn

Die Wildspitze, eine Tagestour auf den höchsten Gipfel Nordtirols

Ich war schon unzählige Male auf der Wildspitze, als Tagestour, im Rahmen von Mehrtagestouren und auf praktisch allen Routen die dieser imposante Berg zu bieten hat. Ich gebe aber zu, dass ich dieses Mal doch ein wenig Bauchweh bei der Routenplanung hatte. Unser Zeitbudget gab uns eine Tagestour vor und eine Aufstiegshilfe wie etwa bei der Route vom Pitztal über das Mittelbergjoch und den Taschachferner kam für uns nicht in Frage. Wir wollten uns den Gipfel mit seinen ca. 1.900 Höhenmetern im Aufstieg sozusagen „ehrlich“ erarbeiten. Bauchweh hatte ich vor allem aufgrund meiner Kondition. Diese konnte ich noch nicht so richtig einschätzen da ich diesen Sommer erst zwei 3.000er Besteigungen in meinen Beinen hatte. Mein Bruder und Tourenpartner Thomas Kammerlander musste sich um diese Dinge keinen Kopf zerbrechen. Einem aktiven Naturbahnrodel-Spitzensportler welcher im täglichen Training steht, sowie an die Höhe bereits durch viele alpine Hochtouren gewöhnt ist, bringt diese Tour konditionell nicht unbedingt an seine Grenzen. Einen Otto Normalverbraucher wie mich allerdings schon 😉

Der Wecker klingelte um 03:00 Uhr

Die Route unserer Wahl war der Normalweg vom Bergsteigerdorf Vent über das Mittarkarjoch auf den Südgipfel der Wildspitze.

Hierbei müssen ca. 1.900 Höhenmeter bewältigt werden und um der Staugefahr beim Nadelöhr des Klettersteigs zum Mitterkarjoch vorzubeugen wollten wir zeitig los.

Um 03:30 Uhr beluden wir unser Auto und fuhren von Umhausen los nach Vent . Unser Auto parkten wir beim gebührenpflichtigen Parkplatz beim Sessellift (1.882 m) und um halb 5 nahmen wir dann die ersten steilen Höhenmeter bei stockfinsterer Nach in Angriff. Unser erstes Etappenziel war die Breslauer Hütte auf einer Höhe von 2.844 m. Diese Hütte nehmen die meisten Bergsteiger als Ausgangspunkt für eine Besteigung der Wildspitze und uns war klar, dass sich bald bereits die ersten Bergsteiger in der Hütte langsam fertig machen und aufbrechen würden. Also wollten wir die ersten 1.000 Höhenmeter zur Hütte so schnell als möglich hinter uns bringen. Der Weg zur Hütte schlängelt sich zuerst steil entlang der Lifttrasse (mit dem Sessellift könnte man sich ca. 500 Hm einsparen) bevor er dann in einen breiten gut markierten Wanderweg direkt hoch zur Hütte übergeht. Wir schlugen ein entsprechendes Tempo an (ca. 650Hm pro Stunde) und erreichten somit um 06:00 Uhr die Breslauer Hütte. Aufstieg der Österreichischen Naturbahnrodel-Stars auf die Wildspitze erfolgt über die Breslauer Hütte. Mit dabei Thomas Kammerlander

Thomas und Gerald Kammerlander auf dem Weg zur Wildspitze. Im Bild die Breslauer Hütte im Ötztal
Unser erstes Etappelziel die Breslauer Hütte im Morgengrauen

Mittlerweile streichen auch schon die ersten Sonnenstrahlen über die gegenüber liegenden Gipfel. Vor der Hütte war es bereits verdächtig ruhig und es tummelten sich nur noch wenige Bergsteiger auf der Terrasse. Die meisten hatten wohl bereits den Aufstieg in Angriff genommen. Wir setzten nach einer kurzen Trinkpause unseren weiteren Aufstieg in Richtung Mitterkarjoch fort. Der Weg ist Anfangs noch gut markiert und führt uns durch ein weites Schuttkar.

Kurz hinter der Bresslauer Hütte öffnet sich in weites Schuttkar unterhalb der Wildspitze
Am Ende des Schuttkars befindet sich der Einstieg zum Mitterkarjoch. Rechts im Bild zeigt sich das erste Mal die Wildspitze.

Mittlerweile konnten wir auch mehrere Seilschaften ausmachen die sich alle noch im Schuttkar befanden. Diese wollten wir noch unbedingt überholen um unter den ersten beim Einstieg zum Mitterkarferner zu sein. Zum Glück hatten es die restlichen Bergsteiger nicht allzu eilig und uns gelang es Seilschaft um Seilschaft zu überholen. Beim Anlegeplatz für unsere Gletscherausrüstung (Steigeisen, Klettergurt, Helm, Pickel usw.) haben wir bereits alle überholt und somit konnten wir als erste die steile Eisrinne hoch zum Einstieg des Klettersteigs in Angriff nehmen.

Mitterkarferner und Einstieg zum Mitterkarjoch
In der Bildmitte sieht man die steile Eisrinne hoch zum Mitterkarjoch (3.468 m)
Thomas Kammerlander am Klettersteig zum Mitterkarjoch
Thomas am Klettersteig zum Mitterkarjoch
Gerald Kammerlander am Klettersteig zum Mitterkarjoch
Gerald kurz unterhalb des Mitterkarjochs

Der ursprüngliche „Normalaufstieg“ über die 45°-Rinne ist bei festem Firn oder gesetzter Schneeauflage „nur“ mäßig schwierig, bei Blankeis ist jedoch perfekte Pickel- und Steigeisentechnik mit den Frontzacken nötig, ggf. sind Eisschrauben für Zwischensicherungen zu setzen. Die Stein- bzw. Eisschlaggefahr in diesem Bereich ist enorm und daher ist unbedingt auf andere Seilschaften zu achten. Weil sich die Verhältnisse (Eis und Steinschlag) der Rinne von Jahr zu Jahr verschlechtern, hat man vor einigen Jahren einen mäßig schwierigen Klettersteig (B/C) über Fels errichtet, damit die Gefahrenstelle umgangen werden kann. Hier staut es sich an Schönwettertagen extrem, brechen alle Bergsteiger zu selben Zeit von der Hütte auf und benötigt das Klettern in Seilschaft sowie mit Steigeisen an den Füßen einfach Zeit. Da wir, wie bereits gesagt die ersten in der Rinne waren konnten wir zügig und ohne Unterbrechung hoch zum Mitterkarjoch (3.468m) steigen.

Es eröffnet sich uns eine imposante Gletscherwelt

Die Sonne kommt am Nordgipfel der Wildspitze zum Vorschein
Die Sonne kommt am Nordgipfel der Wildspitze zum Vorschein
Thomas Kammerlander am Taschachferner
Thomas Kammerlander am Mitterkarjoch
es werden die letzten Vorbereitungen für den finalen Anstieg auf die Wildspitze getroffen
Die Ausrüstung wird nochmals kontrolliert

Das Mitterkarjoch stellt auf dieser Route die Schlüsselstelle dar. Hat man diese gemeistert erwartet einem auf den letzten 300 Höhenmetern eine wahre Genuss-Gletschertour hoch zum Gipfel der Wildspitze. In einer großzügigen Schleife umgehen wir am Taschachferner die große Spaltenzone, queren dabei aber immer wieder einzelne Spalten.

Aufstieg zur Wildspitze über den Taschachferner. Im Bild Rodelstar Thomas Kammerlander
Am Taschachferner. Links ist das Mitterkarjoch noch gut erkennbar
der Gipfelaufbau der Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
der Gipfelaufbau der Wildspitze (Bildmitte)

Am höchsten Gipfel von Nordtirol

Der darauffolgende Linksbogen am Gletscher führt uns zum Gipfelaufbau der Wildspitze, die mit leichter Kletterei im kombinierten Gelände (Fels, Schnee, Eis) von uns zügig erklommen wird. Nach insgesamt 3:45 Stunden Aufstieg stehen wir glücklich um kurz vor 08:30 Uhr am höchsten Gipfel von Nordtirol.

Gerald Kammerlander auf der Wildspitze
Gerald am Südgipfel der Wildspitze. Rechts vom Kreuz ist der dritthöchste Gipfel von Österreich zu sehen – die Weißkugel
am Südgipfel der Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
Panorama vom Südgipfel der Wildspitze mit Blickrichtung Südost
Thomas Kammerlander am Nordgipfel der Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
Thomas Kammerlander am Nordgipfel der Wildspitze. Im Bild rechts ist der Südgipfel mit dem Gipfelkreuz zu sehen.
Panoramablick in Richtung Nordwest vom Nordgipfel der Wildspitze
Panoramablick in Richtung Nordwest vom Nordgipfel der Wildspitze. Im Bild links ist die Aufstiegsroute zu sehen.

Die Aussicht wird nur von der Erdkrümmung begrenzt

Das Panorama ist einfach phänomenal. Mit einer Schartenhöhe 2.266 Metern landet die Wilspitze sogar auf Rang 4 in der Liste der prominentesten Berge der Alpen. Da am heutigen Tag jedoch gefühlte -10 Grad vorherrschen und uns ein eisiger Wind um die Ohren pfeift verweilen wir nur kurz am Gipfel und entscheiden uns kurzerhand für den östlichen Abstieg über Nordgipfel und den Rofenkarferner. Wir klettern also den teils luftigen Grat zum Nordgipfel rüber und steigen erneut steil zum Taschachferner ab. Dann wird der Gipfelaufbau der Nordgipfels großzügig umrundet und nach einem kurzen Gegenanstieg kommen wir dann auf einen kleinen Sattel. Von diesem Punkt aus kann der Rofenkarferner nach einem kurzen Abstieg über Geröll unschwierig betreten werden.

Der Abstieg erfolgt über den Nordgipfel der Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
Über den steilen Nord-Ost Hang erreichen wir erneut den Taschachferner
Der Gipfelaufbau des Nordgipfels der Wildspitze wird großzügig umrundet, Rodel Austria Naturbahn
Den Gipfelaufbau des Nordgipfels umrunden wir großzügig
Der weitere Abstieg zur Breslauer Hütte erfolgt über den spaltenreicheren Rofenkarferner
Der etwas spaltenreichere Rofenkarferner

Am etwas spaltenreicheren Rofenkarferner

Der weitere Abstieg erfolgt dann über den südlich gelegenen Rofenkarferner. Diese Route ist auf jeden Fall eine lohnende und auch einsamere Alternative zur Route über das Mitterkarjoch. Auch wenn die Route über diesen Gletscher etwas spaltenreicher als die über seinen nördlicher gelegenen Kollegen – dem Taschachferner ist. Der Ausstieg vom Rofenkarferner erfolgte rechterhand über Schutt und Geröll bevor man einen kleinen Steig in Richtung Breslauer Hütte erreicht. Als wir diese dann erreicht hatten war es nicht mehr weit. Noch ein gut halbstündiger Abstieg zur Bergstation Stablein des Sessellifts und es war geschafft. Denn anders als beim Aufstieg, nahmen wir die Hilfe des Sessellifts beim Abstieg gerne in Anspruch. Insgesamt benötigten wir für unsere Tour ziemlich genau 6 Stunden.

Unsere Tourdaten im Überblick:
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Talstation Sessellift in Vent (1.890m)
  • Endpunkt: Wildspitze (3.770m) – ca. 3 3/4 Stunden
  • zu bewältigende Höhenmeter: 1.880m
  • unsere Route: Vent – Breslauer Hütte – Mitterkarjoch – Wildspitze – Überschreitung zum Nordgipfel – Abstieg über den Rofenkarferner – Breslauer Hütte – Bergstation Sessellift
  • Die Tour wurde als Tagestour mit einer Gesamtdauer von ca. 6 Stunden von Thomas Kammerlander und Gerald Kammerlander unternommen.
unsere Route auf die Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
unsere Route im Überblick

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Hart, härter, Dreiländergiro in Nauders!

Der Dreiländergiro ist eine der größten Breitenradveranstaltungen Europas! TeilnehmerInnen aus über 30 Nationen zeigen die Zugkraft dieses Radsportklassikers. 1500 Starter stellten sich der Herausforderung die anspruchsvollen 168 km über 3.300 Höhenmeter mit Steigungen bis 15 Prozent zu bewältigen. Mit dabei war natürlich auch wieder eine Abordnung vom Naturbahnrodel-Nationalteam aus Österreich.
von Bernd Neurauter - Rodel Austria Naturbahn Kaderathlet

Der Dreiländergiro ist fixer Bestandteil unserer Saisonvorbereitung

Zum dritten Mal in Folge durften die Naturbahnrodler Michael Scheikl, Christian Schopf und meine Wenigkeit an diesem Event für den Veranstalter teilnehmen. Bereits am Freitag reisten wir mit einem Bus und den Rädern im Gepäck ins Tiroler Land um nach Nauders zu kommen. Somit konnten wir uns einen Tag vor dem Rennen noch richtig entspannen und etwas von der wunderbaren Atmosphäre und Natur genießen. Samstag ging es dann rauf zum Reschensee um das schöne Wetter zu genießen.

Vor dem Start zum Dreiländergiro besuchten die Rodel-Stars den Reschensee.

Der See wurde künstlich angelegt und es musste sogar eine ganze Ortschaft sprichwörtlich versenkt werden. Einzig und allein der herausragende Kirchturm erinnert noch an das frühere Dorf.

Bernd Neurauter, Schopf Christian und Michael Scheikl besuchen vor dem Dreiländergiro 2017 noch den Reschensee und genießen dabei die Sonne
Bernd Neurauter, Christian Schopf und Michael Scheikl

Danach ging es dann aber schon ins große Festzelt. An diesem Wochenende wurde nicht nur der Dreiländergiro ausgetragen sondern auch noch das Race across the Alps (RATA). Dieses Rennen zählt wahrscheinlich zu einem der härtesten Rennen Österreichs mit 540km und 13.600 Höhenmeter aufgeteilt auf 11 Alpenpässe und 24 Stunden Zeit. Irgendwie fasziniert mich dieser Bewerb und ich denke schon ernsthaft nach, wann ich dies starten könnte. Zur Streckenbesprechung für den nächsten Tag wurden alle 3000 Starter ins Festzelt geladen und wir wurden offiziell auf der Bühne vorgestellt und durften ein paar Fragen von den beiden Moderatoren Böckle Martin und Peer Othmar beantworten. Natürlich durfte auch ein Selfie mit vollem Zelt nicht fehlen.

Selfie von der Startnummernverlosung beim Dreiländergiro. Peer Othmar, Martin Böckle und die Rodel-Stars Michael Scheikl, Bernd Neurauter und Schopf Christian

Gruppen-Selfie mit den beiden bekannten Moderatoren Martin Böckle und Othmar Peer

168 Kilometer und 3.300 Höhenmeter

Danach ging es noch schnell zum Essen um die Speicher voll aufzuladen und früh ins Bett. Natürlich wurde vor dem schlafen gehen bereits alles anprobiert ob wohl alles richtig sitzt und nichts vergessen wurde.

Der Dreiländergiro 2017 in Nauders kann für die beiden Naturbahnrodler Michael Scheikl und Bernd Nerauter kommen

Bereits um 5 Uhr war Tagwache um früh genug zum Frühstück zu kommen, denn um 6:30 ging es mit dem Dreiländergiro los. Mit dem ersten Blick aus dem Fenster verging uns schon ein wenig die Euphorie auf das Rennen. Es schüttete wie aus kübeln! Daher hofften wir, dass sich dies bis nach dem Frühstück etwas verbessern würde. Aber aus dieser Hoffnung wurde nichts. 15 Minuten vor Start rollten wir dann auch schon zur Startlinie. Da wir geladene Gäste waren, durften wir im Bereich der schnellsten Radler starten. Trotz Regenkleidung und Überschuhe wurde uns rasch klar, lange bleiben wir sicher nicht trocken und so war es dann auch.

Trotz Regen ging es für die Naturbahnrodel-Stars los beim Dreiländergiro in Nauders

Es schüttete wie aus Kübeln

Bereits nach ein paar Metern war alles nass. Dies hinderte uns aber nicht wirklich und wir hatten sichtlich Spaß daran. Viele andere Sportler hatten bereits im Vorfeld ihren Start zurückgezogen, aber natürlich sind wir bekannt für herausfordernde Aktionen. Nach dem Start ging es bereits über den Reschensee zur Grenze nach Italien. Da konnten wir uns gleich einmal in eine Gruppe einfinden, die ein angenehmes Tempo fuhren. Von dort aus ging es weiter Richtung Stilfserjoch. Beim Anstieg zum Stilfserjoch hatten wir bereits einen Schnitt von 39km/h und knapp 36km am Tacho. So flott gingen wir das erste Teilstück noch nie an. Doch dann ging es hinauf auf fast 2800m. Dies bedeutet knapp 30km bergauf und 1800hm. Dort trennten wir drei uns auf und fuhren unser eigenes Rennen. Bereits nach drei Stunden war ich am Gipfel angekommen.

Bernd Neurauter am Stilfserjoch-Rodel Austria Naturbahn

Das Stilfserjoch – eine echte Herausforderung

Kurz darauf folgte Michael, der aber Teamgeist zeigte und auf Schopf Christian am Gipfel wartete. Das Warten am Gipfel wurde zur Qual, bei 4 Grad und starkem Regen kam allen Teilnehmern der Gedanke des Aufgebens. Natürlich sind wir Mental in einer ziemlich guten Verfassung und haben uns den Berg hinabgekämpft. Es war richtig kalt und es war nicht wirklich einfach durch das Zittern das Rad gerade aus zu bewegen.

Weiter ging es dann gleich zum nächsten Anstieg, dem Ofenpass. Hier wurde bereits die Schweizer Grenze überquert. Der Pass liegt auf 2149m und somit wurden die nächsten 800hm gemacht. Dieser Pass war so richtig anstrengend.

Christian Schopf beim Dreiländergiro in Nauders
Christian Schopf bei der Abfahrt vom Ofenpass

Aufgrund der kurzen Pausen machte sich die Belastung schon ziemlich spürbar und ich musste kurze Verschnaufpausen einlegen. Auch Christian kämpfe sich mit der Unterstützung von Michael hinauf. Er hätte wahrscheinlich das Rennen hingeschmissen, hätte er nicht so einen tollen Coach an seiner Seite. Oben angekommen kamen wir in meinen Teil wo ich so richtig viel Zeit gut gemacht habe. Es bildete sich eine kleine Gruppe von Radfahren, die abwechselnd Führungsarbeit leisteten. Somit konnten wir das Tempo immer zwischen 35 und 45km/h halten und so richtig pushen. Es ging dann nur mehr über die Norbertshöhe zurück nach Nauders. Das persönliche Ziel lag bei 7 Stunden Fahrzeit und somit hatte ich 35min für diesen Anstieg und die letzte Abfahrt. Somit habe ich noch die letzten Kräfte mobilisiert und nochmals alles gegeben und es zahlte sich aus. Mit einer Zeit von 6Stunden 54Minuten bin ich unter den 7Stunden geblieben und konnte es kaum glauben. Sichtlich angeschlagen wurde ich von meiner Schwester empfangen die völlig überrascht war, dass ich so früh ins Ziel kam.

Bernd Neurauter bei der Zieleinfahrt vom Dreiländergiro 2017-Rodel Austria Naturbahn

Platz 58 bei 1.500 Startern

Somit konnte ich den 58 Platz unter 1500 Startern erreichen sowie in meiner Altersklasse den 14ten Platz. Für einen Wintersportler, der alles andere als eine Radfahrerstatur hat eine beachtliche Leistung. Etwas später kamen dann Michael und Christian ins Ziel. Mit 8 Stunden 35 Minuten meisterten die beiden die 168km und 3500hm.

Naturbahnrodler Michael Scheikl und Bernd Neurauter bei der Zieleinfahrt vom Dreiländergiro 2017 in Nauders

Wenn man bedenkt, dass Christian nur 300km auf dem Rad hatte vor dem Rennen eine mehr als beachtliche Leistung. Das Fazit des Rennens. Es war sicherlich das härteste und anstrengendste was wir je gemacht haben. Wer fährt schon gerne bei Regen und Kälte los und weiß er muss 168km mit 3500hm bewältigen. Gott sei Dank hatten wir zwei Betreuer mit und mussten nach diesem Kraftakt nicht noch die weite Reise nach Hause antreten. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr, wenn der 25te Dreiländergiro startet und wir wieder zeigen können, was wir so draufhaben. Natürlich wurden auch schon weitere Sportevents diskutiert und somit konnten wir schon gute Kontakte knüpfen, um nächstes Jahr beim Ötztaler Radmarathon zu starten. Mit 230km und 5500hm zählt er wohl auch zu einem der härtesten Rennen und ist für Amateurradler wie uns sicherlich eine große aber spannende Herausforderung.

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