Die Wildspitze 3.770 m – am Dach von Nordtirol

Die Wildspitze ist mit einer Höhe von 3.770 Metern der zweithöchste Gipfel Österreichs. Wohl auch deshalb zieht es Jahr für Jahr tausende Alpinisten auf diesen Gipfel. Die Wildspitze hat aber auch einiges zu bieten. Für mich ist sie einfach nur ein wunderschöner Berg auf dem die Aussicht grandios und an klaren Tagen praktisch nur von der Erdkrümmung begrenzt wird. Die Wildspitze gehört zu meinem jährlichen Pflichtprogramm und deshalb nahm ich die Gelegenheit gerne wahr, die Wildspitze im Rahmen der Rodel Austria-Naturbahn Aktion 9 Länder – 9 Gipfel mit meinem Bruder Thomas Kammerlander (amtierender Europameister und Gesamtweltcupsieger im Rennrodeln auf Naturbahn) ein weiteres mal zu besteigen.

von Gerald Kammerlander | Sportdirektor-Rodel Austria Naturbahn

Die Wildspitze, eine Tagestour auf den höchsten Gipfel Nordtirols

Ich war schon unzählige Male auf der Wildspitze, als Tagestour, im Rahmen von Mehrtagestouren und auf praktisch allen Routen die dieser imposante Berg zu bieten hat. Ich gebe aber zu, dass ich dieses Mal doch ein wenig Bauchweh bei der Routenplanung hatte. Unser Zeitbudget gab uns eine Tagestour vor und eine Aufstiegshilfe wie etwa bei der Route vom Pitztal über das Mittelbergjoch und den Taschachferner kam für uns nicht in Frage. Wir wollten uns den Gipfel mit seinen ca. 1.900 Höhenmetern im Aufstieg sozusagen „ehrlich“ erarbeiten. Bauchweh hatte ich vor allem aufgrund meiner Kondition. Diese konnte ich noch nicht so richtig einschätzen da ich diesen Sommer erst zwei 3.000er Besteigungen in meinen Beinen hatte. Mein Bruder und Tourenpartner Thomas Kammerlander musste sich um diese Dinge keinen Kopf zerbrechen. Einem aktiven Naturbahnrodel-Spitzensportler welcher im täglichen Training steht, sowie an die Höhe bereits durch viele alpine Hochtouren gewöhnt ist, bringt diese Tour konditionell nicht unbedingt an seine Grenzen. Einen Otto Normalverbraucher wie mich allerdings schon 😉

Der Wecker klingelte um 03:00 Uhr

Die Route unserer Wahl war der Normalweg vom Bergsteigerdorf Vent über das Mittarkarjoch auf den Südgipfel der Wildspitze.

Hierbei müssen ca. 1.900 Höhenmeter bewältigt werden und um der Staugefahr beim Nadelöhr des Klettersteigs zum Mitterkarjoch vorzubeugen wollten wir zeitig los.

Um 03:30 Uhr beluden wir unser Auto und fuhren von Umhausen los nach Vent . Unser Auto parkten wir beim gebührenpflichtigen Parkplatz beim Sessellift (1.882 m) und um halb 5 nahmen wir dann die ersten steilen Höhenmeter bei stockfinsterer Nach in Angriff. Unser erstes Etappenziel war die Breslauer Hütte auf einer Höhe von 2.844 m. Diese Hütte nehmen die meisten Bergsteiger als Ausgangspunkt für eine Besteigung der Wildspitze und uns war klar, dass sich bald bereits die ersten Bergsteiger in der Hütte langsam fertig machen und aufbrechen würden. Also wollten wir die ersten 1.000 Höhenmeter zur Hütte so schnell als möglich hinter uns bringen. Der Weg zur Hütte schlängelt sich zuerst steil entlang der Lifttrasse (mit dem Sessellift könnte man sich ca. 500 Hm einsparen) bevor er dann in einen breiten gut markierten Wanderweg direkt hoch zur Hütte übergeht. Wir schlugen ein entsprechendes Tempo an (ca. 650Hm pro Stunde) und erreichten somit um 06:00 Uhr die Breslauer Hütte. Aufstieg der Österreichischen Naturbahnrodel-Stars auf die Wildspitze erfolgt über die Breslauer Hütte. Mit dabei Thomas Kammerlander

Thomas und Gerald Kammerlander auf dem Weg zur Wildspitze. Im Bild die Breslauer Hütte im Ötztal
Unser erstes Etappelziel die Breslauer Hütte im Morgengrauen

Mittlerweile streichen auch schon die ersten Sonnenstrahlen über die gegenüber liegenden Gipfel. Vor der Hütte war es bereits verdächtig ruhig und es tummelten sich nur noch wenige Bergsteiger auf der Terrasse. Die meisten hatten wohl bereits den Aufstieg in Angriff genommen. Wir setzten nach einer kurzen Trinkpause unseren weiteren Aufstieg in Richtung Mitterkarjoch fort. Der Weg ist Anfangs noch gut markiert und führt uns durch ein weites Schuttkar.

Kurz hinter der Bresslauer Hütte öffnet sich in weites Schuttkar unterhalb der Wildspitze
Am Ende des Schuttkars befindet sich der Einstieg zum Mitterkarjoch. Rechts im Bild zeigt sich das erste Mal die Wildspitze.

Mittlerweile konnten wir auch mehrere Seilschaften ausmachen die sich alle noch im Schuttkar befanden. Diese wollten wir noch unbedingt überholen um unter den ersten beim Einstieg zum Mitterkarferner zu sein. Zum Glück hatten es die restlichen Bergsteiger nicht allzu eilig und uns gelang es Seilschaft um Seilschaft zu überholen. Beim Anlegeplatz für unsere Gletscherausrüstung (Steigeisen, Klettergurt, Helm, Pickel usw.) haben wir bereits alle überholt und somit konnten wir als erste die steile Eisrinne hoch zum Einstieg des Klettersteigs in Angriff nehmen.

Mitterkarferner und Einstieg zum Mitterkarjoch
In der Bildmitte sieht man die steile Eisrinne hoch zum Mitterkarjoch (3.468 m)
Thomas Kammerlander am Klettersteig zum Mitterkarjoch
Thomas am Klettersteig zum Mitterkarjoch
Gerald Kammerlander am Klettersteig zum Mitterkarjoch
Gerald kurz unterhalb des Mitterkarjochs

Der ursprüngliche „Normalaufstieg“ über die 45°-Rinne ist bei festem Firn oder gesetzter Schneeauflage „nur“ mäßig schwierig, bei Blankeis ist jedoch perfekte Pickel- und Steigeisentechnik mit den Frontzacken nötig, ggf. sind Eisschrauben für Zwischensicherungen zu setzen. Die Stein- bzw. Eisschlaggefahr in diesem Bereich ist enorm und daher ist unbedingt auf andere Seilschaften zu achten. Weil sich die Verhältnisse (Eis und Steinschlag) der Rinne von Jahr zu Jahr verschlechtern, hat man vor einigen Jahren einen mäßig schwierigen Klettersteig (B/C) über Fels errichtet, damit die Gefahrenstelle umgangen werden kann. Hier staut es sich an Schönwettertagen extrem, brechen alle Bergsteiger zu selben Zeit von der Hütte auf und benötigt das Klettern in Seilschaft sowie mit Steigeisen an den Füßen einfach Zeit. Da wir, wie bereits gesagt die ersten in der Rinne waren konnten wir zügig und ohne Unterbrechung hoch zum Mitterkarjoch (3.468m) steigen.

Es eröffnet sich uns eine imposante Gletscherwelt

Die Sonne kommt am Nordgipfel der Wildspitze zum Vorschein
Die Sonne kommt am Nordgipfel der Wildspitze zum Vorschein
Thomas Kammerlander am Taschachferner
Thomas Kammerlander am Mitterkarjoch
es werden die letzten Vorbereitungen für den finalen Anstieg auf die Wildspitze getroffen
Die Ausrüstung wird nochmals kontrolliert

Das Mitterkarjoch stellt auf dieser Route die Schlüsselstelle dar. Hat man diese gemeistert erwartet einem auf den letzten 300 Höhenmetern eine wahre Genuss-Gletschertour hoch zum Gipfel der Wildspitze. In einer großzügigen Schleife umgehen wir am Taschachferner die große Spaltenzone, queren dabei aber immer wieder einzelne Spalten.

Aufstieg zur Wildspitze über den Taschachferner. Im Bild Rodelstar Thomas Kammerlander
Am Taschachferner. Links ist das Mitterkarjoch noch gut erkennbar
der Gipfelaufbau der Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
der Gipfelaufbau der Wildspitze (Bildmitte)

Am höchsten Gipfel von Nordtirol

Der darauffolgende Linksbogen am Gletscher führt uns zum Gipfelaufbau der Wildspitze, die mit leichter Kletterei im kombinierten Gelände (Fels, Schnee, Eis) von uns zügig erklommen wird. Nach insgesamt 3:45 Stunden Aufstieg stehen wir glücklich um kurz vor 08:30 Uhr am höchsten Gipfel von Nordtirol.

Gerald Kammerlander auf der Wildspitze
Gerald am Südgipfel der Wildspitze. Rechts vom Kreuz ist der dritthöchste Gipfel von Österreich zu sehen – die Weißkugel
am Südgipfel der Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
Panorama vom Südgipfel der Wildspitze mit Blickrichtung Südost
Thomas Kammerlander am Nordgipfel der Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
Thomas Kammerlander am Nordgipfel der Wildspitze. Im Bild rechts ist der Südgipfel mit dem Gipfelkreuz zu sehen.
Panoramablick in Richtung Nordwest vom Nordgipfel der Wildspitze
Panoramablick in Richtung Nordwest vom Nordgipfel der Wildspitze. Im Bild links ist die Aufstiegsroute zu sehen.

Die Aussicht wird nur von der Erdkrümmung begrenzt

Das Panorama ist einfach phänomenal. Mit einer Schartenhöhe 2.266 Metern landet die Wilspitze sogar auf Rang 4 in der Liste der prominentesten Berge der Alpen. Da am heutigen Tag jedoch gefühlte -10 Grad vorherrschen und uns ein eisiger Wind um die Ohren pfeift verweilen wir nur kurz am Gipfel und entscheiden uns kurzerhand für den östlichen Abstieg über Nordgipfel und den Rofenkarferner. Wir klettern also den teils luftigen Grat zum Nordgipfel rüber und steigen erneut steil zum Taschachferner ab. Dann wird der Gipfelaufbau der Nordgipfels großzügig umrundet und nach einem kurzen Gegenanstieg kommen wir dann auf einen kleinen Sattel. Von diesem Punkt aus kann der Rofenkarferner nach einem kurzen Abstieg über Geröll unschwierig betreten werden.

Der Abstieg erfolgt über den Nordgipfel der Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
Über den steilen Nord-Ost Hang erreichen wir erneut den Taschachferner
Der Gipfelaufbau des Nordgipfels der Wildspitze wird großzügig umrundet, Rodel Austria Naturbahn
Den Gipfelaufbau des Nordgipfels umrunden wir großzügig
Der weitere Abstieg zur Breslauer Hütte erfolgt über den spaltenreicheren Rofenkarferner
Der etwas spaltenreichere Rofenkarferner

Am etwas spaltenreicheren Rofenkarferner

Der weitere Abstieg erfolgt dann über den südlich gelegenen Rofenkarferner. Diese Route ist auf jeden Fall eine lohnende und auch einsamere Alternative zur Route über das Mitterkarjoch. Auch wenn die Route über diesen Gletscher etwas spaltenreicher als die über seinen nördlicher gelegenen Kollegen – dem Taschachferner ist. Der Ausstieg vom Rofenkarferner erfolgte rechterhand über Schutt und Geröll bevor man einen kleinen Steig in Richtung Breslauer Hütte erreicht. Als wir diese dann erreicht hatten war es nicht mehr weit. Noch ein gut halbstündiger Abstieg zur Bergstation Stablein des Sessellifts und es war geschafft. Denn anders als beim Aufstieg, nahmen wir die Hilfe des Sessellifts beim Abstieg gerne in Anspruch. Insgesamt benötigten wir für unsere Tour ziemlich genau 6 Stunden.

Unsere Tourdaten im Überblick:
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Talstation Sessellift in Vent (1.890m)
  • Endpunkt: Wildspitze (3.770m) – ca. 3 3/4 Stunden
  • zu bewältigende Höhenmeter: 1.880m
  • unsere Route: Vent – Breslauer Hütte – Mitterkarjoch – Wildspitze – Überschreitung zum Nordgipfel – Abstieg über den Rofenkarferner – Breslauer Hütte – Bergstation Sessellift
  • Die Tour wurde als Tagestour mit einer Gesamtdauer von ca. 6 Stunden von Thomas Kammerlander und Gerald Kammerlander unternommen.
unsere Route auf die Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn
unsere Route im Überblick

unsere Route auf die Wildspitze, Rodel Austria Naturbahn

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Was wurde aus Gerald Kammerlander?

Vom Ministrant zum Weltmeister

Der heutige ÖRV-Sportdirektor Gerald Kammerlander war selbst ein erfolgreicher Naturbahnrodler.

Die erste Erfahrung mit dem Rodeln, an die er sich erinnern kann, ist ein Ministranten-Rennen in seiner Heimatgemeinde Umhausen. Da auch Onkel von ihm rodelten, entwickelte Gerald Kammerlander dann recht schnell eine Affinität zu dieser Sportart.

„Wir waren so fünf bis sechs Kinder, die mit Erich Schöpf tirolweit zu Rennen gefahren sind. Wobei ich im Kinder- und Jugendbereich eigentlich nie im Spitzenfeld vertreten war. Erst bei den Junioren ist mir dann gewissermaßen der Knopf aufgegangen“, erinnert sich der Ötztaler zurück.

Erfolgreicher Junior im Doppel

Die ersten Erfolge stellten sich im Doppelbewerb ein. Gemeinsam mit Joachim Schöpf wurde er im Winter 1997/98 Gesamtsieger im Interkontinentalcup und holte die Silbermedaille bei der Junioren-EM in Feld am See (AUT). Schon im darauffolgenden Jahr sicherte sich das Ötztaler Doppel dann Gold bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Hüttau (AUT). Eine weitere Medaille in der Juniorenklasse gewann er mit Bronze im Einsitzer bei der Junioren-Europameisterschaft in Tiers (ITA). In der Saison 2002/2003 wurde er Gesamtsieger im Interkontinentalcup.

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Gerald Kammerlander_Saison 2007/2008 / Foto: Sobe

Wechsel in den Einsitzerbewerb

Danach konzentrierte sich Kammerlander auf den Einsitzerbewerb, wobei es zur damaligen Zeit sehr schwer war, den Sprung ins Nationalteam zu schaffen. Immerhin gingen damals auch so Kapazunder wie beispielsweise Gerhard Pilz, Gerald Kallan, Gernot Schwab oder Robert Batkowski an den Start.

Doch Kammerlander kämpfte. Im Winter 2005/2006 holte er mit Rang zwei zum Saisonauftakt in St. Martin in Thurn (Ita) den ersten Podestplatz. Hervorragend lief es in der Saison 2007/2008 als Kammerlander Dritter in Umhausen und zwei Mal Zweiter in Zelezniki (Slowenien) wurde und in der Gesamt-Weltcupwertung hinter Patrick Pigneter (Ita) den zweiten Rang belegte. Im darauffolgenden Jahr feierte der damals 27-Jährige in St. Sebastian und Umhausen seine beiden ersten Weltcupsiege.

Bei Großereignissen blieb der Ötztaler vorerst weiter ohne Spitzenplatz. Und auch in der Saison 2010/2011 deutete zunächst nichts darauf hin, dass sich daran etwas ändern sollte. „Im Weltcup ist rein gar nichts zusammengelaufen. Schließlich haben wir uns dann entschlossen, die Rodel komplett neu aufzubauen. Dieses Risiko hat sich letztlich bezahlt gemacht“, erinnert sich „Kammi“.

„Weltmeister dahoam“ als Höhepunkt

Und wie, denn  auf der heimischen Grantaubahn in Umhausen holte er sich mit vier Hundertstel Vorsprung auf seinen Teamkollegen Robert Batkowski die Goldmedaille und damit den Weltmeistertitel. Gemeinsam mit Melanie Batkowski, Christian Schatz und Gerhard Mühlbacher gab`s zudem noch Silber im Teambewerb.

2013 ging Kammerlander noch bei der WM in Deutschnofen als Titelverteidiger an den Start, beendete danach wie schon vorher geplant seine Karriere. Wie fällt rückblickend seine persönliche Bilanz aus?

Viele schwere Verletzungen

„Alles in allem kann ich zufrieden sein. Es wär vielleicht mehr drinnen gewesen, wenn ich nicht sieben schwere Knieverletzungen gehabt hätte. Allein die vorderen Kreuzbänder riss ich mir in beiden Kniegelenken insgesamt 5 Mal. Zwei Mal wurde ich auch mit dem Hubschrauber von der Strecke abtransportiert.“

Seit der Saison 2013-2014 ist Kammerlander inzwischen als Sportdirektor und Nationaltrainer verantwortlich für das Nationalteam der Naturbahnrodler im Österreichischen Rodelverband. „Im Gegensatz zu meiner Zeit als Aktiver bin ich da immer brutal nervös.“

Tina Unterberger_Gerald Kammerlander_Rodel Austria Naturbahn_WC Zelezniki 2017
im Bild mit Tina Unterberger
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Gerald Kammerlander_Sportdirektor_Naturbahn_Österreichischer Rodelverband
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Gerald Kammerlander Tina Unterberger Rupert Brüggler Gerhard Kleinhofer_Rodel Austria Naturbahnrodeln
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Was wurde aus Elvira Strigl (geb. Holzknecht)?

„Beim Rodeln war ich erblich vorbelastet“

Keine Frage: In den 1990er-Jahren war die gebürtige Längenfelderin Elvira Strigl (geb. Holzknecht) die erfolgreichste Naturbahnrodlerin überhaupt. Mit drei Gesamtsiegen und 16 Siegen bei Weltcuprennen setzte sie neue Maßstäbe.

„Eigentlich sollte ich ja Skifahrerin werden, aber da hat es mich schon im ersten Schülerrennen gewaltige gefeigelt – und meine Karriere war damit auch schon wieder zu Ende“, lacht die heute 43-Jährige.

Beim Rodel hingegen war sie laut eigenen Angaben erblich vorbelastet. Denn schon Vater Alfred und ihr älterer Bruder Alexander schwangen sich immer wieder auf den Schlitten. Und die damals kleine Elvira zeigte dann schon bei diversen Nachwuchsrennen ihr großes Talent.

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Elvira im Alter von 16 Jahren

Umso irrwitziger das Tempo, desto lieber war es Elvira.

Mit irrwitzigem Tempo zischte sie immer wieder auf ihrer Heimatbahn in Längenfeld talwärts. Eine Strecke, die damals von vielen mehr als gefürchtet war. „Ich hab´ sie, wohl auch deshalb, weil es meine Hausbahn war, gar nicht als so wild empfunden. Da ging`s meiner Ansicht nach in Stein an der Enns, Bad Goisern und Bruck heftiger zur Sache. Aber je wilder eine Strecke war, umso besser hat sie mir getaugt“, erzählt Strigl. Ihre Lieblingsbahn war jene in Oberperfuss, auch wenn sie an die nicht nur gute Erinnerungen hat: „Im Jahr 1996 hat mir ein Fehler in der entscheidenden Zielkurve den Weltmeistertitel gekostet. Das war damals äußerst ärgerlich.“

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Elvira (Bildmitte) mit Teamkollegen und Betreuern bei der JEM in Stange/ITA 1992. Mit im Bild Andreas Ruetz (links hinter Elvira) und Alfred Kogler (rechts außen)

Der Weltmeistertitel war ihr nie vergönnt.

Die Ötztalerin wurde damals Zweite – und ein Welt- oder Europameistertitel im Erwachsenenbereich sollten ihr letztlich nie vergönnt sein. Bei der WM 1992 in Bad Goisern wurde sie ebenso Vizeweltmeisterin, 2000 in Olang holte sie Bronze. Bei Europameisterschaften gab es zwei Bronze- (1993 in Stein an der Enns, 1995 in Kandalakscha) und zwei Silbermedaillen (1997 in Moos im Passeier, 1999 in Szczyrk).

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Elvira sicherte sich insgesamt 3 mal den Sieg im Gesamtweltcup

Der Gesamtweltcup war hingegen ihr Metier. In der Saison 1994/1995 gewann sie alle vier ausgetragenen Rennen und sicherte sich erstmals den Titel. In der Saison 1997/1998 holte sie vier Siege in sechs Rennen und wurde zum zweiten Mal Gesamtweltcupsiegerin. Für diese Leistung wurde sie mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. 1998/1999 holte sie zwei Siege und zwei zweite Plätze und entschied den Gesamtweltcup mit lediglich fünf Punkten Vorsprung auf die Südtirolerin Sonja Steinacher für sich.

Schwere Verletzungen begleiteten waren ständige Begleiter ihrer Karriere

Nachdem sie sich nach einigen schweren Verletzungen (u.a. ein offener Knöchelbruch im Dezember 2000) durch die langwierigen Reha-Programm quälen hatte müssen, beendete die Top-Athletin nach der Saison 2002/2003 ihre erfolgreiche Karriere.

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Elvira heute mit ihren beiden Söhnen Lukas und Mario

Heute lebt Strigl in Umhausen und ist Mutter zweier Söhne. „Die sind zwar sehr sportlich, mit Rodeln haben sie aber nichts am Hut“, erzählt die Ex-Sportlerin. Was inzwischen eigentlich auch für sie selbst gilt. „Wenn größere Rennen in der Nähe sind, etwa in Umhausen oder Oberperfuss, fahr ich aber schon als Zuschauerin hin. Interessieren tut mich das Geschehen immer noch.“

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Zelezniki in Slowenien

von Gerald Kammerlander (Sportdirektor Naturbahn / Österreichischer Rodelverband)

Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit der Rennstrecke in Zelezniki erinnern. Genauer gesagt liegt die Rodelbahn ja deutlich außerhalb der Ortschaft Zelezniki in einem Skiresort mit dem Namen Soriska Planina auf gut 1.300 Meter Seehöhe. In der Saison 2002/2003 kam ich das erste mal in diese Gegend. Die Weltmeisterschaft 2003 im Naturbahnrodeln fand eben genau auf dieser Rennstrecke statt. Damals war ich 21 Jahre und bin gerade erst von den Junioren in die Allgemeine Klasse aufgestiegen. Ich hatte mich mittlerweile zwar schon in der Nationalmannschaft etabliert aber für den WM-Kader sollte eine eigene Qualifikation auf der WM-Bahn in Zelezniki stattfinden.

Vorbei am Bleder See

Da der Besitz von einem Navi vor 13 Jahren noch eher eine Seltenheit war fragte ich meinen damaligen Cheftrainer wo denn genau dieses Zelezniki liegt. Seine lapidare Antwort: „Jetzt fahrst du mal nach Villach, durch den Karawankentunnel durch, bei Jesenice vorbei und bei Lesce von der Autobahn ab. Dann kommst du nach Bled und fahrst dann mehr oder weniger immer gerade aus.“ Gesagt getan. Ich fuhr in aller Herrgottsfrühe los, bei Villach vorbei, über die Slowenische Grenze drüber und nach weniger als 20 Kilometern war ich schon in Lesce. Es war mittlerweile früh morgens und ich kam nach Bled. Obwohl ich bereits etwas spät dran war musste ich hier kurz das Auto parken und die Aussicht genießen. Der Bleder See ist einfach nur wunderschön. Mitten im See ist eine kleine Insel mit einer bekannten Marienkirche und oberhalb des Sees thront die Bleder Burg.

Panorama_Bled_01
Panorama vom Bleder See
bleder see im winter
Insel mit Marienkirche und der Bleder Burg im Hintergrund
Bleder Burg
Bleder Burg

 In den Julischen Alpen

Weiter ging es durch das Bohinj – Tal (deutsch: Wochein) an dessen Ende ein weiterer schöner Natursee, der Wocheinersee, liegt. Dieses Gebiet in den Julischen Alpen bietet wirklich einige Naturschauspiele.

wocheiner see
Wocheiner See

Aber schlussendlich war ich ja zum Rodeln da und eine Weltmeisterschaft stand vor der Tür. Also gings noch die  letzten Kilometer hoch ins Gebirge in ein Ski-Resort mit dem Namen Soriska Planina. Auf gut 1.300 Meter Seehöhe fand ich dann auch die WM-Strecke des Jahres 2003. Im Januar 2003 lagen hier Unmengen an Schnee. Soweit ich mich noch erinnern kann fanden am Samstag 3 Trainingsläufe statt und am Sonntag sollte dann die Qualifikation für die WM stattfinden. Die technische Schwierigkeit der Rodelbahn hat mich echt überrascht. Dem etwas zu flach geratenen Start folgen 2 enge Kehren.

SLO Weltcup Batkowski Melanie
meine damalige Teamkollegin Melanie Batkowski in der Startkurve beim Weltcup 2008

Nach der flachen Ausfahrt aus Kehre 2 kommt ein langes und äußerst schnelles gerades Teilstück mit kaum erwähnenswerten Richtungsänderungen. An dessen Ende folgt eine enge Schikane, gefolgt von einer leichten Rechtskurve und wiederum einer linken Haarnadelkurve. Das Problem an dieser ganzen Kombination von Kurven, Kehren und Schikanen ist, dass man nirgendwo genügend Zeit zum Bremsen hat. Hat man diese Schlüsselstelle dann gemeistert kommt im Mittelteil noch eine technisch schwierige S-Kurvenkombination wo es extrem wichtig ist für den unteren, flachen Teil der Rennstrecke genügend Schwung mitzunehmen. Alles in allem also eine rasante und interessante Bahn. Genau so wie ich es mag. Die Qualifikation zur WM 2013 habe ich damals übrigens geschafft. Doch leider verletzte sich mein damaliger Zimmerkollege und Freund Gernot Schwab schwer. Er stürzte in der Schikane oberhalb der Haarnadelkurve so schwer, dass er mit dem Hubschrauber abtransportiert und nach Villach überstellt werden musste.

Tolle Erfolge und schöne Erinnerungen

Im Februar 2003 fand dann die Weltmeisterschaft in Zelezniki statt. Es war meine erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Für mich war es eine tolle Erfahrung und ein spannendes Rennen.  Obwohl ich zur Spannung wohl wenig beigetragen habe ;-). Meine genaue Platzierung weiss ich gar nicht mehr. Ich denke ich war so irgendwo im Bereich von Platz 15. Für Österreich und meine Teamkollegen waren es auf jeden Fall außergewöhnlich gute Weltmeisterschaft. Der Titel bei den Herren ging an Robert Batkowski, Silber an Gerhard Pilz und Bronze an Gerald Kallan. Auch im Doppelsitzer ging Gold (Schopf Wolfgang / Schopf Andreas) und Bronze (Kleinhofer Harald, Mühlbacher Gerhard) an Österreich.

Fünf Jahre später, in der Saison 2007/2008 fanden dann ein Doppelweltcup als Weltcup-Finale in Zelezniki statt. An diese Rennen denke ich besonders gerne zurück. Die Saison 2007/2008 verlief für mich bis zu diesen beiden Rennen eher durchwachsen. Doch beim Weltcupfinale war es sehr warm und das Eis auf der Strecke eher weich. Ich kam vom ersten Trainingslauf an, bereits sehr gut mit den Bedingungen zurecht. Durch zwei zweite Plätze konnte ich mir in letzter Sekunde noch die Silbermedaille im Gesamtweltcup sichern. Das bis dato letzte Weltcuprennen wurde dann im Januar 2012 ausgetragen. Auch hier konnte ich mit dem fünften Platz durchaus zufrieden sein. Ich verbinde also viele schöne Erinnerungen mit dieser Bahn. Die Strecke bietet alles was das Naturbahnrodel-Herz begehrt und ich freue mich dass ich heuer das erste mal als Cheftrainer zu einer meiner Lieblingsbahnen zurückkehren darf.

Der Weltcup in Zelezniki findet als vierte Weltcupstation vom 20.-22.01.2017 statt.


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