Wir stellen vor!

Mit der Rodel nach Slowenien

Bei der Anreise zum Rodelrennen in Slowenien offenbart sich uns beim Bleder See dieser Anblick.

In unserer neuen Rubrik „Wir stellen vor“ erzählen wir euch Geschichten rund um die Rennbahnen der kommenden Saison 2016/17. Dabei werden die 6 Weltcupstationen im Rennrodeln auf Naturbahn jeweils von einem anderen Top-Athleten/Trainer vorgestellt. Was sind die Tücken dieser Bahn?  Welche ganz persönlichen Geschichten und Tragödien können dazu erzählt werden. Den Anfang machen wir mit Zelezniki in Slowenien.

Zelezniki in Slowenien

von Gerald Kammerlander (Sportdirektor Naturbahn / Österreichischer Rodelverband)

Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit der Rennstrecke in Zelezniki erinnern. Genauer gesagt liegt die Rodelbahn ja deutlich außerhalb der Ortschaft Zelezniki in einem Skiresort mit dem Namen Soriska Planina auf gut 1.300 Meter Seehöhe. In der Saison 2002/2003 kam ich das erste mal in diese Gegend. Die Weltmeisterschaft 2003 im Naturbahnrodeln fand eben genau auf dieser Rennstrecke statt. Damals war ich 21 Jahre und bin gerade erst von den Junioren in die Allgemeine Klasse aufgestiegen. Ich hatte mich mittlerweile zwar schon in der Nationalmannschaft etabliert aber für den WM-Kader sollte eine eigene Qualifikation auf der WM-Bahn in Zelezniki stattfinden.

Vorbei am Bleder See

Da der Besitz von einem Navi vor 13 Jahren noch eher eine Seltenheit war fragte ich meinen damaligen Cheftrainer wo denn genau dieses Zelezniki liegt. Seine lapidare Antwort: „Jetzt fahrst du mal nach Villach, durch den Karawankentunnel durch, bei Jesenice vorbei und bei Lesce von der Autobahn ab. Dann kommst du nach Bled und fahrst dann mehr oder weniger immer gerade aus.“ Gesagt getan. Ich fuhr in aller Herrgottsfrühe los, bei Villach vorbei, über die Slowenische Grenze drüber und nach weniger als 20 Kilometern war ich schon in Lesce. Es war mittlerweile früh morgens und ich kam nach Bled. Obwohl ich bereits etwas spät dran war musste ich hier kurz das Auto parken und die Aussicht genießen. Der Bleder See ist einfach nur wunderschön. Mitten im See ist eine kleine Insel mit einer bekannten Marienkirche und oberhalb des Sees thront die Bleder Burg.

Panorama_Bled_01
Panorama vom Bleder See
bleder see im winter
Insel mit Marienkirche und der Bleder Burg im Hintergrund
Bleder Burg
Bleder Burg

 In den Julischen Alpen

Weiter ging es durch das Bohinj – Tal (deutsch: Wochein) an dessen Ende ein weiterer schöner Natursee, der Wocheinersee, liegt. Dieses Gebiet in den Julischen Alpen bietet wirklich einige Naturschauspiele.

wocheiner see
Wocheiner See

Aber schlussendlich war ich ja zum Rodeln da und eine Weltmeisterschaft stand vor der Tür. Also gings noch die  letzten Kilometer hoch ins Gebirge in ein Ski-Resort mit dem Namen Soriska Planina. Auf gut 1.300 Meter Seehöhe fand ich dann auch die WM-Strecke des Jahres 2003. Im Januar 2003 lagen hier Unmengen an Schnee. Soweit ich mich noch erinnern kann fanden am Samstag 3 Trainingsläufe statt und am Sonntag sollte dann die Qualifikation für die WM stattfinden. Die technische Schwierigkeit der Rodelbahn hat mich echt überrascht. Dem etwas zu flach geratenen Start folgen 2 enge Kehren.

SLO Weltcup Batkowski Melanie
meine damalige Teamkollegin Melanie Batkowski in der Startkurve beim Weltcup 2008

Nach der flachen Ausfahrt aus Kehre 2 kommt ein langes und äußerst schnelles gerades Teilstück mit kaum erwähnenswerten Richtungsänderungen. An dessen Ende folgt eine enge Schikane, gefolgt von einer leichten Rechtskurve und wiederum einer linken Haarnadelkurve. Das Problem an dieser ganzen Kombination von Kurven, Kehren und Schikanen ist, dass man nirgendwo genügend Zeit zum Bremsen hat. Hat man diese Schlüsselstelle dann gemeistert kommt im Mittelteil noch eine technisch schwierige S-Kurvenkombination wo es extrem wichtig ist für den unteren, flachen Teil der Rennstrecke genügend Schwung mitzunehmen. Alles in allem also eine rasante und interessante Bahn. Genau so wie ich es mag. Die Qualifikation zur WM 2013 habe ich damals übrigens geschafft. Doch leider verletzte sich mein damaliger Zimmerkollege und Freund Gernot Schwab schwer. Er stürzte in der Schikane oberhalb der Haarnadelkurve so schwer, dass er mit dem Hubschrauber abtransportiert und nach Villach überstellt werden musste.

Tolle Erfolge und schöne Erinnerungen

Im Februar 2003 fand dann die Weltmeisterschaft in Zelezniki statt. Es war meine erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Für mich war es eine tolle Erfahrung und ein spannendes Rennen.  Obwohl ich zur Spannung wohl wenig beigetragen habe ;-). Meine genaue Platzierung weiss ich gar nicht mehr. Ich denke ich war so irgendwo im Bereich von Platz 15. Für Österreich und meine Teamkollegen waren es auf jeden Fall außergewöhnlich gute Weltmeisterschaft. Der Titel bei den Herren ging an Robert Batkowski, Silber an Gerhard Pilz und Bronze an Gerald Kallan. Auch im Doppelsitzer ging Gold (Schopf Wolfgang / Schopf Andreas) und Bronze (Kleinhofer Harald, Mühlbacher Gerhard) an Österreich.

Fünf Jahre später, in der Saison 2007/2008 fanden dann ein Doppelweltcup als Weltcup-Finale in Zelezniki statt. An diese Rennen denke ich besonders gerne zurück. Die Saison 2007/2008 verlief für mich bis zu diesen beiden Rennen eher durchwachsen. Doch beim Weltcupfinale war es sehr warm und das Eis auf der Strecke eher weich. Ich kam vom ersten Trainingslauf an, bereits sehr gut mit den Bedingungen zurecht. Durch zwei zweite Plätze konnte ich mir in letzter Sekunde noch die Silbermedaille im Gesamtweltcup sichern. Das bis dato letzte Weltcuprennen wurde dann im Januar 2012 ausgetragen. Auch hier konnte ich mit dem fünften Platz durchaus zufrieden sein. Ich verbinde also viele schöne Erinnerungen mit dieser Bahn. Die Strecke bietet alles was das Naturbahnrodel-Herz begehrt und ich freue mich dass ich heuer das erste mal als Cheftrainer zu einer meiner Lieblingsbahnen zurückkehren darf.

Der Weltcup in Zelezniki findet als vierte Weltcupstation vom 20.-22.01.2017 statt.


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3 comments on “Mit der Rodel nach Slowenien

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