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Naturbahnrodeln in Russlands Metropole Moskau

Naturbahnrodel Weltcup 2016 in Moskau_Rußland

von Bernd Neurauter (Rodel Austria – Athlet / Nationalkader)

Moskau ist mit ca. 12 Millionen Einwohnern die größte Stadt in Russland. Eine Stadt der Superlativen wo sich Tradition mit Moderne treffen, wo die Hochhäuser immer höher in den Himmel zu wachsen scheinen. Und hier, im Zentrum der Stadt wird gerodelt? Ja, genauer gesagt findet in Moskau heuer bereits zum zweiten mal in Folge der Weltcup im Rennrodeln auf Naturbahn statt.

Man mag es wohl eher nicht glauben, aber man kann den attraktiven Naturbahnrodelsport auch in einer Großstadt durchführen und somit begaben wir uns letztes Jahr auf die Reise zum Cityrace nach Moskau. Doch zuvor noch kurz meine Vorgeschichte zu diesem besonderen Rennen. Als der Rennkalender des letzten Jahres veröffentlicht wurde, freuten sich alle schon auf das Rennen in Moskau. Leider wurde schnell klar, dass das Österreichische Nationalteam nur mit einem kleinen Aufgebot die Reise antreten wird. Leider war es für mich im ersten Moment nicht möglich mitzufliegen, da nur die besten drei Männer, zwei Damen und zwei Doppelsitzer-Paarungen mit nach Moskau durften.

Nach Sturz meines Teamkollegen überraschend ins Aufgebot gerutscht

Dann geschah ein großer Rückschlag für die Herrenmannschaft des ÖRV. Scheikl Michael kam beim Weltcup in Latsch zu Sturz und hat sich dabei das Sprunggelenk gebrochen. Dies bedeutete somit nach bereits einem Weltcuprennen das Saisonende für ihn. Dadurch wurde aber der Weg frei für mich, ich bekam das Vertrauen der Trainer und musste somit binnen kürzester Zeit ein Visum für den Flug nach Russland beantragen. Das Visum konnte erfolgreich ausgestellt werden und somit begann schon kurz danach die Reise nach Moskau.

Von Rumänien über Wien in die russische Hauptstadt

Moskau bei NachtDafür hatten wir nach dem Weltcup in Rumänien einen eintägigen Zwischenstopp in Kindberg wo wir uns etwas erholen konnten und die Kisten mit dem ganzen Rodelmaterial für den Flug einpackten. Nach zirka zweieinhalb stündiger Flugzeit landeten wir dann am nächsten Tag sicher in Moskau wo uns einiges an Schnee und Temperaturen von -20°C erwarteten. Mit einem „fast“ zu kleinem Transportbus wurden wir dann mit unserem gesamten Gepäck durch die komplette Innenstadt chauffiert und konnten Moskau bei Nacht erleben. Der Ausblick war einfach umwerfend und wir konnten es schon nicht mehr erwarten mehr davon zu sehen. Ganz gespannt waren wir natürlich auch schon auf die Beschaffenheit der Rodelbahn. Nach einer Stunde Fahrzeit erreichten wir dann gegen halb neun abends das Hotel.

Weltcupstrecke in der Nähe des Kreml

Am nächsten Tag war es dann aber soweit, wir gingen die Rodelbahn besichtigen. Diese befand sich am sogenannten Lenin-Hügel. Von dort aus hatte man einen schönen Ausblick zum Lenin-Stadion wen man über die Moskwa blickte. Doch noch atemberaubender war, dass die Rodelbahn direkt vor der Universität Lomonossow war.

Universität Lomonossow direkt neben der Weltcup - Rodelbahn
Universität Lomonossow

Dies ist die größte Universität Russlands und wurde im Jänner 1755 auf Anregung von Michail Lomonossow durch Iwan Schuwalow gegründet. Derzeit sind rund 40.000 Studierende eingeschrieben. Aber die Universität war nicht das einzige Highlight das wir zu Gesicht bekamen. Wir hatten auch noch Zeit, dass wir mit dem Hop-On Hop-Off Bus eine Runde durch die Innenstadt Moskaus drehten. Dabei bekamen wir gewaltige Bauten zu sehen. Allen voran den Kreml Komplex mit seinen wunderschönen Kathedralen. Natürlich darf man auch das Kaufhaus Gum nicht vergessen, mit seinem nostalgischen Aussehen und seinen vielen verschiedenen Geschäften ist es sicherlich eine Attraktion. Da Bilder mehr als 1000 Worte sagen, macht euch am besten selber einen Eindruck davon, ob euer nächster Urlaub nicht nach Moskau geht ;-).

Rodel Austria Selfi vor der Basilius Kathedrale
Rodel Austria Selfi vor der Basilius Kathedrale

Steil, schnell und gespickt mit einigen Sprüngen

Natürlich waren wir nicht zum Sightseeing in Moskau sondern zum Rodeln. Nun einmal etwas über die Strecke. Man konnte sofort erkennen, dass eine Woche zuvor eine Red Bull Crashed Ice Veranstaltung auf nahezu derselben Strecke stattgefunden hat. Es mussten lediglich die viel zu engen 180° Kurven umfahren werden, da wir mit unseren Sportgeräten solch enge Radien nicht fahren können und natürlich wurden die Sprünge entschärft. Trotzdem erwartete uns eine technische und Mut fordernde Strecke die auf ihrer Kürze von rund 400-500m wohl alles drin hatte bis auf eine Bremsstelle. Dies bedeutet also extrem genaues Fahren und möglichst viel Geschwindigkeit aus jeder Kurve mitzunehmen. Der Start wurde etwas künstlich erhöht um gleich einmal etwas Fahrt aufzunehmen und dann ging es schon los. Mit einer Linkskurve wurde in den Steilhang eingefahren. Die Kurve verlief aber mit dem Gefälle mit und somit war es nicht einfach diese Kurve gleich auf Anhieb mit voller Geschwindigkeit zu durchfahren. Durch die RedBull Crashed-Ice Fahrer war auch der gesamte Bereich ziemlich unruhig und machte es für uns nicht gerade einfacher da wir richtig hinabgesprungen sind.

Rennstrecke beim Naturbahnrodel Weltcup in Moskau 2016
Steilstück im unteren Bahndrittel

In diesem Abschnitt war es so steil, da konnten wir mit unseren Spikes in den Schuhen nicht einmal gehen. Im Anschluss folgte eine etwas einfachere Rechtskurve wo es nur wichtig ist, dass man nicht zu direkt hineinfährt. Dann kam auch schon die Schlüsselstelle der Bahn. Eine etwas unscheinbare Linkskurve, die man nicht zu früh fahren durfte und man den vollen Speed mitnehmen musste. In dieser Kurve hatte sich der Großteil des Rennens entschieden. Danach kam nur noch eine Rechtskurve mit dem zweiten Steilhang und einer kleinen S–Kurve die aber kein Problem mehr brachte. Danach ging es nur mehr einfach ins Ziel, wo das letzte Hindernis, der kurze Zielauslauf wartete. In den Trainingsläufen noch verblankt wurde dieser Gott sei Dank im Rennen verlängert und somit war es keine Gefahr mehr für uns Sportler.

Erster Podestplatz in meiner Karriere

Für mich persönlich lief es in Moskau wie am Schnürchen. Durch die Erfahrung des Cheftrainers Kammerlander Gerald hatte ich von Anfang an ein Top-Material und es ging richtig von der Hand. Durch die neu gewonnene mentale Stärke aufgrund Mentaltrainings konnte ich mein erstes Podium im Weltcup-Zirkus erreichen und wurde hinter zwei Russen Dritter. Für mich ein grandioser Erfolg, wenn ich bedenke, dass ich vorerst zuhause bleiben hätte müssen und dann auch noch vor dem Rest der Rodelelite bin.

4th FIL World Cup on Natural Track 2015/16 - Moscow, RUS
Weltcup Moskau 2016 / Fotocredit: FIL Peter Maurer

Daher freue ich mich besonders, dass auch heuer wieder der Weltcup in Moskau stattfindet und hoffe, dass die Veranstalter wieder ein so cooles Programm aufziehen wie letztes Jahr!

Der Weltcup in Moskau findet als dritte Weltcupstation vom 12.-15.01.2017 statt.

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3 comments on “Naturbahnrodeln in Russlands Metropole Moskau

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