Hart, härter, Dreiländergiro in Nauders!

Der Dreiländergiro ist eine der größten Breitenradveranstaltungen Europas! TeilnehmerInnen aus über 30 Nationen zeigen die Zugkraft dieses Radsportklassikers. 1500 Starter stellten sich der Herausforderung die anspruchsvollen 168 km über 3.300 Höhenmeter mit Steigungen bis 15 Prozent zu bewältigen. Mit dabei war natürlich auch wieder eine Abordnung vom Naturbahnrodel-Nationalteam aus Österreich.
von Bernd Neurauter - Rodel Austria Naturbahn Kaderathlet

Der Dreiländergiro ist fixer Bestandteil unserer Saisonvorbereitung

Zum dritten Mal in Folge durften die Naturbahnrodler Michael Scheikl, Christian Schopf und meine Wenigkeit an diesem Event für den Veranstalter teilnehmen. Bereits am Freitag reisten wir mit einem Bus und den Rädern im Gepäck ins Tiroler Land um nach Nauders zu kommen. Somit konnten wir uns einen Tag vor dem Rennen noch richtig entspannen und etwas von der wunderbaren Atmosphäre und Natur genießen. Samstag ging es dann rauf zum Reschensee um das schöne Wetter zu genießen.

Vor dem Start zum Dreiländergiro besuchten die Rodel-Stars den Reschensee.

Der See wurde künstlich angelegt und es musste sogar eine ganze Ortschaft sprichwörtlich versenkt werden. Einzig und allein der herausragende Kirchturm erinnert noch an das frühere Dorf.

Bernd Neurauter, Schopf Christian und Michael Scheikl besuchen vor dem Dreiländergiro 2017 noch den Reschensee und genießen dabei die Sonne
Bernd Neurauter, Christian Schopf und Michael Scheikl

Danach ging es dann aber schon ins große Festzelt. An diesem Wochenende wurde nicht nur der Dreiländergiro ausgetragen sondern auch noch das Race across the Alps (RATA). Dieses Rennen zählt wahrscheinlich zu einem der härtesten Rennen Österreichs mit 540km und 13.600 Höhenmeter aufgeteilt auf 11 Alpenpässe und 24 Stunden Zeit. Irgendwie fasziniert mich dieser Bewerb und ich denke schon ernsthaft nach, wann ich dies starten könnte. Zur Streckenbesprechung für den nächsten Tag wurden alle 3000 Starter ins Festzelt geladen und wir wurden offiziell auf der Bühne vorgestellt und durften ein paar Fragen von den beiden Moderatoren Böckle Martin und Peer Othmar beantworten. Natürlich durfte auch ein Selfie mit vollem Zelt nicht fehlen.

Selfie von der Startnummernverlosung beim Dreiländergiro. Peer Othmar, Martin Böckle und die Rodel-Stars Michael Scheikl, Bernd Neurauter und Schopf Christian

Gruppen-Selfie mit den beiden bekannten Moderatoren Martin Böckle und Othmar Peer

168 Kilometer und 3.300 Höhenmeter

Danach ging es noch schnell zum Essen um die Speicher voll aufzuladen und früh ins Bett. Natürlich wurde vor dem schlafen gehen bereits alles anprobiert ob wohl alles richtig sitzt und nichts vergessen wurde.

Der Dreiländergiro 2017 in Nauders kann für die beiden Naturbahnrodler Michael Scheikl und Bernd Nerauter kommen

Bereits um 5 Uhr war Tagwache um früh genug zum Frühstück zu kommen, denn um 6:30 ging es mit dem Dreiländergiro los. Mit dem ersten Blick aus dem Fenster verging uns schon ein wenig die Euphorie auf das Rennen. Es schüttete wie aus kübeln! Daher hofften wir, dass sich dies bis nach dem Frühstück etwas verbessern würde. Aber aus dieser Hoffnung wurde nichts. 15 Minuten vor Start rollten wir dann auch schon zur Startlinie. Da wir geladene Gäste waren, durften wir im Bereich der schnellsten Radler starten. Trotz Regenkleidung und Überschuhe wurde uns rasch klar, lange bleiben wir sicher nicht trocken und so war es dann auch.

Trotz Regen ging es für die Naturbahnrodel-Stars los beim Dreiländergiro in Nauders

Es schüttete wie aus Kübeln

Bereits nach ein paar Metern war alles nass. Dies hinderte uns aber nicht wirklich und wir hatten sichtlich Spaß daran. Viele andere Sportler hatten bereits im Vorfeld ihren Start zurückgezogen, aber natürlich sind wir bekannt für herausfordernde Aktionen. Nach dem Start ging es bereits über den Reschensee zur Grenze nach Italien. Da konnten wir uns gleich einmal in eine Gruppe einfinden, die ein angenehmes Tempo fuhren. Von dort aus ging es weiter Richtung Stilfserjoch. Beim Anstieg zum Stilfserjoch hatten wir bereits einen Schnitt von 39km/h und knapp 36km am Tacho. So flott gingen wir das erste Teilstück noch nie an. Doch dann ging es hinauf auf fast 2800m. Dies bedeutet knapp 30km bergauf und 1800hm. Dort trennten wir drei uns auf und fuhren unser eigenes Rennen. Bereits nach drei Stunden war ich am Gipfel angekommen.

Bernd Neurauter am Stilfserjoch-Rodel Austria Naturbahn

Das Stilfserjoch – eine echte Herausforderung

Kurz darauf folgte Michael, der aber Teamgeist zeigte und auf Schopf Christian am Gipfel wartete. Das Warten am Gipfel wurde zur Qual, bei 4 Grad und starkem Regen kam allen Teilnehmern der Gedanke des Aufgebens. Natürlich sind wir Mental in einer ziemlich guten Verfassung und haben uns den Berg hinabgekämpft. Es war richtig kalt und es war nicht wirklich einfach durch das Zittern das Rad gerade aus zu bewegen.

Weiter ging es dann gleich zum nächsten Anstieg, dem Ofenpass. Hier wurde bereits die Schweizer Grenze überquert. Der Pass liegt auf 2149m und somit wurden die nächsten 800hm gemacht. Dieser Pass war so richtig anstrengend.

Christian Schopf beim Dreiländergiro in Nauders
Christian Schopf bei der Abfahrt vom Ofenpass

Aufgrund der kurzen Pausen machte sich die Belastung schon ziemlich spürbar und ich musste kurze Verschnaufpausen einlegen. Auch Christian kämpfe sich mit der Unterstützung von Michael hinauf. Er hätte wahrscheinlich das Rennen hingeschmissen, hätte er nicht so einen tollen Coach an seiner Seite. Oben angekommen kamen wir in meinen Teil wo ich so richtig viel Zeit gut gemacht habe. Es bildete sich eine kleine Gruppe von Radfahren, die abwechselnd Führungsarbeit leisteten. Somit konnten wir das Tempo immer zwischen 35 und 45km/h halten und so richtig pushen. Es ging dann nur mehr über die Norbertshöhe zurück nach Nauders. Das persönliche Ziel lag bei 7 Stunden Fahrzeit und somit hatte ich 35min für diesen Anstieg und die letzte Abfahrt. Somit habe ich noch die letzten Kräfte mobilisiert und nochmals alles gegeben und es zahlte sich aus. Mit einer Zeit von 6Stunden 54Minuten bin ich unter den 7Stunden geblieben und konnte es kaum glauben. Sichtlich angeschlagen wurde ich von meiner Schwester empfangen die völlig überrascht war, dass ich so früh ins Ziel kam.

Bernd Neurauter bei der Zieleinfahrt vom Dreiländergiro 2017-Rodel Austria Naturbahn

Platz 58 bei 1.500 Startern

Somit konnte ich den 58 Platz unter 1500 Startern erreichen sowie in meiner Altersklasse den 14ten Platz. Für einen Wintersportler, der alles andere als eine Radfahrerstatur hat eine beachtliche Leistung. Etwas später kamen dann Michael und Christian ins Ziel. Mit 8 Stunden 35 Minuten meisterten die beiden die 168km und 3500hm.

Naturbahnrodler Michael Scheikl und Bernd Neurauter bei der Zieleinfahrt vom Dreiländergiro 2017 in Nauders

Wenn man bedenkt, dass Christian nur 300km auf dem Rad hatte vor dem Rennen eine mehr als beachtliche Leistung. Das Fazit des Rennens. Es war sicherlich das härteste und anstrengendste was wir je gemacht haben. Wer fährt schon gerne bei Regen und Kälte los und weiß er muss 168km mit 3500hm bewältigen. Gott sei Dank hatten wir zwei Betreuer mit und mussten nach diesem Kraftakt nicht noch die weite Reise nach Hause antreten. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr, wenn der 25te Dreiländergiro startet und wir wieder zeigen können, was wir so draufhaben. Natürlich wurden auch schon weitere Sportevents diskutiert und somit konnten wir schon gute Kontakte knüpfen, um nächstes Jahr beim Ötztaler Radmarathon zu starten. Mit 230km und 5500hm zählt er wohl auch zu einem der härtesten Rennen und ist für Amateurradler wie uns sicherlich eine große aber spannende Herausforderung.

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herrliche-landschaft_rodel-star-christian-schopf-besucht-das-land-der-fjorde-und-berge

Bis zum Abend hin legen wir noch einige Kilometer zurück, bevor wir wieder einen Zeltplatz finden. Generell ist es dort oben nicht ganz einfach einen einigermaßen vernünftigen Platz zum Nächtigen  auszusuchen, da entweder Felsen oder Wasser das Gelände einnehmen. Wir gönnen uns noch ein Bad im naheliegenden Fluss, welches aufgrund der Außen- und Wassertemperaturen (beides ca. 10 Grad) relativ kurz ausfällt.

Am Hardangerfjord. Ein echtes Highlight!

Am dritten Tag erlebten wir einige Highlights unserer Tour. 1200 Meter über dem Meer fanden wir riesige Schneefelder vor. Zwischen Schnee, Seen und Nebel suchten wir unseren Weg bis wir dann am Nachmittag für unsere Mühen mit einem traumhaften Ausblick auf das Hardangerfjord belohnt wurden. Zusätzlich prasste ein wunderbarer Wasserfall die knapp 1000 Meter in die Tiefe. Am Abend ging es über die sogenannten Mönchstreppen zu einem wunderbaren, kleinen Ort namens Lofthus.

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Die zweite Woche unseres Aufenthaltes verbrachten wir dann in Nedstrand sowie in Stavanger. Ein Tag im Hochseilgarten schult das Gleichgewichtsgefühl. Bei einer Bootfahrt erleben wir weitere Erfolgserlebnisse beim Fangen unseres Mittagessens.

Ein Abschied mit viel Wehmut

Die Tagestour auf eine der Hauptattraktionen im Süden Norwegens, dem Preikestolen (Predigtstuhl), wird durch das schnelle Tempo zu einer schönen Trainingseinheit. Schade nur, dass der von den Sherpas wunderschön angelegter Pfad von zahlreichen Touristen überfüllt ist und das Wetter, wieder einmal, zu wünschen übrig lässt. Den üblichen Postkartenausblick bekommen wir zwar nicht zusehen, aber das Rauschen der Wasserfälle lässt die schwindelerregende Tiefe erahnen.

Die letzten zwei Tage der Reise widmen wir der kulturellen Fortbildung und besuchen unter anderem ein sehr interessantes Konservenmuseum sowie das Öl-Museum in Stavanger.

Sogar ein Strandspaziergang geht sich am letzten Tag unseres Trips noch aus. Mit Wehmut geht es zum Flughafen, wo sich selbst unsere schweren Rucksäcke leicht anfühlen. Ein Abenteuer geht zu Ende, aber es wird bestimmt nicht der letzte Aufenthalt im beeindruckenden Norden sein.

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