Naturbahnrodeln in Russlands Metropole Moskau

von Bernd Neurauter (Rodel Austria – Athlet / Nationalkader)

Moskau ist mit ca. 12 Millionen Einwohnern die größte Stadt in Russland. Eine Stadt der Superlativen wo sich Tradition mit Moderne treffen, wo die Hochhäuser immer höher in den Himmel zu wachsen scheinen. Und hier, im Zentrum der Stadt wird gerodelt? Ja, genauer gesagt findet in Moskau heuer bereits zum zweiten mal in Folge der Weltcup im Rennrodeln auf Naturbahn statt.

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Mit der Rodel nach Slowenien

In unserer neuen Rubrik „Wir stellen vor“ erzählen wir euch Geschichten rund um die Rennbahnen der kommenden Saison 2016/17. Dabei werden die 6 Weltcupstationen im Rennrodeln auf Naturbahn jeweils von einem anderen Top-Athleten/Trainer vorgestellt. Was sind die Tücken dieser Bahn?  Welche ganz persönlichen Geschichten und Tragödien können dazu erzählt werden. Den Anfang machen wir mit Zelezniki in Slowenien.

Zelezniki in Slowenien

von Gerald Kammerlander (Sportdirektor Naturbahn / Österreichischer Rodelverband)

Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit der Rennstrecke in Zelezniki erinnern. Genauer gesagt liegt die Rodelbahn ja deutlich außerhalb der Ortschaft Zelezniki in einem Skiresort mit dem Namen Soriska Planina auf gut 1.300 Meter Seehöhe. In der Saison 2002/2003 kam ich das erste mal in diese Gegend. Die Weltmeisterschaft 2003 im Naturbahnrodeln fand eben genau auf dieser Rennstrecke statt. Damals war ich 21 Jahre und bin gerade erst von den Junioren in die Allgemeine Klasse aufgestiegen. Ich hatte mich mittlerweile zwar schon in der Nationalmannschaft etabliert aber für den WM-Kader sollte eine eigene Qualifikation auf der WM-Bahn in Zelezniki stattfinden.

Vorbei am Bleder See

Da der Besitz von einem Navi vor 13 Jahren noch eher eine Seltenheit war fragte ich meinen damaligen Cheftrainer wo denn genau dieses Zelezniki liegt. Seine lapidare Antwort: „Jetzt fahrst du mal nach Villach, durch den Karawankentunnel durch, bei Jesenice vorbei und bei Lesce von der Autobahn ab. Dann kommst du nach Bled und fahrst dann mehr oder weniger immer gerade aus.“ Gesagt getan. Ich fuhr in aller Herrgottsfrühe los, bei Villach vorbei, über die Slowenische Grenze drüber und nach weniger als 20 Kilometern war ich schon in Lesce. Es war mittlerweile früh morgens und ich kam nach Bled. Obwohl ich bereits etwas spät dran war musste ich hier kurz das Auto parken und die Aussicht genießen. Der Bleder See ist einfach nur wunderschön. Mitten im See ist eine kleine Insel mit einer bekannten Marienkirche und oberhalb des Sees thront die Bleder Burg.

Panorama_Bled_01
Panorama vom Bleder See
bleder see im winter
Insel mit Marienkirche und der Bleder Burg im Hintergrund
Bleder Burg
Bleder Burg

 In den Julischen Alpen

Weiter ging es durch das Bohinj – Tal (deutsch: Wochein) an dessen Ende ein weiterer schöner Natursee, der Wocheinersee, liegt. Dieses Gebiet in den Julischen Alpen bietet wirklich einige Naturschauspiele.

wocheiner see
Wocheiner See

Aber schlussendlich war ich ja zum Rodeln da und eine Weltmeisterschaft stand vor der Tür. Also gings noch die  letzten Kilometer hoch ins Gebirge in ein Ski-Resort mit dem Namen Soriska Planina. Auf gut 1.300 Meter Seehöhe fand ich dann auch die WM-Strecke des Jahres 2003. Im Januar 2003 lagen hier Unmengen an Schnee. Soweit ich mich noch erinnern kann fanden am Samstag 3 Trainingsläufe statt und am Sonntag sollte dann die Qualifikation für die WM stattfinden. Die technische Schwierigkeit der Rodelbahn hat mich echt überrascht. Dem etwas zu flach geratenen Start folgen 2 enge Kehren.

SLO Weltcup Batkowski Melanie
meine damalige Teamkollegin Melanie Batkowski in der Startkurve beim Weltcup 2008

Nach der flachen Ausfahrt aus Kehre 2 kommt ein langes und äußerst schnelles gerades Teilstück mit kaum erwähnenswerten Richtungsänderungen. An dessen Ende folgt eine enge Schikane, gefolgt von einer leichten Rechtskurve und wiederum einer linken Haarnadelkurve. Das Problem an dieser ganzen Kombination von Kurven, Kehren und Schikanen ist, dass man nirgendwo genügend Zeit zum Bremsen hat. Hat man diese Schlüsselstelle dann gemeistert kommt im Mittelteil noch eine technisch schwierige S-Kurvenkombination wo es extrem wichtig ist für den unteren, flachen Teil der Rennstrecke genügend Schwung mitzunehmen. Alles in allem also eine rasante und interessante Bahn. Genau so wie ich es mag. Die Qualifikation zur WM 2013 habe ich damals übrigens geschafft. Doch leider verletzte sich mein damaliger Zimmerkollege und Freund Gernot Schwab schwer. Er stürzte in der Schikane oberhalb der Haarnadelkurve so schwer, dass er mit dem Hubschrauber abtransportiert und nach Villach überstellt werden musste.

Tolle Erfolge und schöne Erinnerungen

Im Februar 2003 fand dann die Weltmeisterschaft in Zelezniki statt. Es war meine erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Für mich war es eine tolle Erfahrung und ein spannendes Rennen.  Obwohl ich zur Spannung wohl wenig beigetragen habe ;-). Meine genaue Platzierung weiss ich gar nicht mehr. Ich denke ich war so irgendwo im Bereich von Platz 15. Für Österreich und meine Teamkollegen waren es auf jeden Fall außergewöhnlich gute Weltmeisterschaft. Der Titel bei den Herren ging an Robert Batkowski, Silber an Gerhard Pilz und Bronze an Gerald Kallan. Auch im Doppelsitzer ging Gold (Schopf Wolfgang / Schopf Andreas) und Bronze (Kleinhofer Harald, Mühlbacher Gerhard) an Österreich.

Fünf Jahre später, in der Saison 2007/2008 fanden dann ein Doppelweltcup als Weltcup-Finale in Zelezniki statt. An diese Rennen denke ich besonders gerne zurück. Die Saison 2007/2008 verlief für mich bis zu diesen beiden Rennen eher durchwachsen. Doch beim Weltcupfinale war es sehr warm und das Eis auf der Strecke eher weich. Ich kam vom ersten Trainingslauf an, bereits sehr gut mit den Bedingungen zurecht. Durch zwei zweite Plätze konnte ich mir in letzter Sekunde noch die Silbermedaille im Gesamtweltcup sichern. Das bis dato letzte Weltcuprennen wurde dann im Januar 2012 ausgetragen. Auch hier konnte ich mit dem fünften Platz durchaus zufrieden sein. Ich verbinde also viele schöne Erinnerungen mit dieser Bahn. Die Strecke bietet alles was das Naturbahnrodel-Herz begehrt und ich freue mich dass ich heuer das erste mal als Cheftrainer zu einer meiner Lieblingsbahnen zurückkehren darf.

Der Weltcup in Zelezniki findet als vierte Weltcupstation vom 20.-22.01.2017 statt.


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Andreas und Helmut Ruetz haben im Doppelsitzer alles gewonnen was es zu gewinnen gibt. Trotz ihrem frühen Karriereende zählen sie zu des erfolgreichsten Naturbahnrodlern aller Zeiten.

Zwei erfolgreiche Rodel-Brüder machten auch beruflich Karriere

Rodeln 1

Dr. Andreas Ruetz

geb. 8. April 1975 in Innsbruck

Gemeinsam mit Bruder Helmut war Andreas Ruetz im Doppelsitzer einer der erfolgreichsten Naturbahnrodler in den 90er Jahren. Vier Weltcup-Gesamtsiege, drei Europameistertitel und ein Weltmeistertitel zieren seine sportliche Vita.

Der Erfolg blieb Andi auch im Berufsleben treu. Freilich musste er dafür die Karriere schon mit 24 Jahren beenden. Die Ausbildung stand für den Erfolgssportler schon immer an erster Stelle. Und so besuchte er zunächst das Sportgymnasium Innsbruck und startete dann sein Studium der Rechtswissenschaften. Heute ist er verheiratet und führt in Innsbruck seine eigene Rechtsanwaltskanzlei.

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Andreas heute

Dem Rodelsport ist er, nachdem er viele Jahre keinen Kontakt zur Szene hatte, inzwischen wieder verbunden, wurde in die Rechtskommission der FIL berufen.

Seine sportliche Vergangenheit möchte Andi nicht missen. Auch wenn er weiß, dass seine aktiven Zeiten mit den heutigen nicht vergleichbar sind. „Die Konkurrenz ist viel größer geworden, und man muss deutlich mehr Zeit investieren. Um Zuschauer zu begeistern, sollte es das Bestreben der Offiziellen sein, die Bahnen näher an die Ballungszentren heran zu bringen“, sagt Andreas Ruetz.

 

 

Dipl.-Ing. Helmut Ruetz

geb. 21. November 1972 in Innsbruck

Ich startete mit dem Naturbahnrodelsport erst recht spät, in einem Alter von 13 Jahren. Mit dem Umstieg von der Hauptschule Kematen in die HTL-Hochbau nach Innsbruck war das Rodeln aufgrund der schulischen Verpflichtungen nur begrenzt möglich. Trotzdem stellten sich erste Erfolge bei den Junioreneuropameisterschaften 1990 und 1991 mit jeweils  vierten Plätzen im Doppelsitzer ein.

Während des Architekturstudiums konnte ich das Training dann ohnehin intensivieren und selbst einteilen. Im Sommersemester musste ich dann halt oft einiges aufholen, was ich im Winter versäumt hatte.

Mit Einführung des Weltcups im Jahr 1992 erzielte ich gemeinsam mit meinem Bruder Andreas die ersten Siege im Doppelsitzer auf internationaler Ebene. Ein großer Erfolg war das Auftaktrennen des Naturbahnrodelweltcups am 13. Dezember 1992 im finnischen Rautavaara das wir sensationell gewinnen konnten.

Der Höhepunkt unserer Karriere, war der Gewinn der Weltmeisterschaft 1998 wiederum im finnischen Rautavaara.

Nach vier Gesamtweltcupsiegen, drei Europameistertiteln und dem Gewinn der Weltmeisterschaft stand nach der Saison 1999/2000die Frage im Raum, wie es weitergehen sollte. Wir hatten noch ein Ziel – und das hieß Olympische Spiele. Als dann aber feststand, dass Naturbahnrodeln auch 2006 in Turin nicht olympisch sein wird, und wir praktisch alles gewonnen hatten, was es zu gewinnen gab, wurde die Rennrodel sprichwörtlich in die Ecke gestellt.

Nach Abschluß des Architekturstudiums 2000 und Praxisjahren arbeitet Helmut nun im Architekturbüro von Patrick Weber in Oberperfuss.

Er ist seit 2005 mit Angelique verheiratet und hat 2 Töchter – Riccarda und Emma.

helmut ruetz
Helmut heute beim Bahnstudium mit seiner Tochter

Beide Töchter sind ebenfalls vom Naturbahnrodelsport begeistert, und werden von Helmut mit großem Einsatz unterstützt.

 

Erfolgsbilanz von Andreas und Helmut Ruetz:Rodeln

Gesamtweltcupsieger: 1994/95, 1995/96, 1997/98, 1998/99

Europameister: 1995, 1997, 1999

Weltmeister: 1998

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Was wurde Rodelstars von damals? Welche spannenden Geschichten verbergen sich hinter diesen Personen? Wir fragen nach.

Was machen die erfolgreichen Rodler von damals denn heute?

Im Jahre 1979 fand in Inzing (AUT) die erste FIL-Weltmeisterschaft im Rennrodeln auf Naturbahn statt. Den ersten Weltmeistertitel im Herren Einsitzer schnappte sich ein gewisser Werner Prantl aus dem Zillertal (AUT). Er und sein Bruder Florian waren auch äußerst erfolgreich im Doppelsitzer unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt hatten beide bereits seit mehreren Jahren eine Band mit den Namen „Colibris“. Aus dieser Band gingen dann „die Zillertaler“ hervor. Unter dem Spitznamen „die jodelnden Rodler“ sind sie bis heute eine fixe Größe im Showgeschäft. Sie waren zum Beispiel gern gesehener Gast bei Karl Moik im Musikantelstadl und feierten bis heute mehrere erfolgreiche CD-Veröffentlichungen. Natürlich glänzten hierbei auch einige in Gold und Platin……..!

Diese und andere spannende Geschichten wollen wir euch in unserem Blog „Was wurde aus?“ erzählen.

am Start
am Start (Fahrer unbekannt)

Bis heute wurden weitere 18 Weltmeisterschaften in den verschiedensten Ländern ausgetragen. Unzählige Titel und Medaillen wurden in den einzelnen Kategorien der Damen, Herren und Doppelsitzer vergeben. Insgesamt 16 verschiedene Weltmeister kommen dabei aus Österreich. Manche konnten den Titel mehrfach gewinnen, die einen waren im Doppelsitzer, die anderen im Einsitzer unterwegs. Wer sind diese Personen heute? Welche Geschichte steckt hinter ihrem Titel? Wie sehen sie den Naturbahnsport heute? Fragen über Fragen.

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